Neue Blog-Adresse!

[Sonstiges]

Liebe Freunde

Der New York Blog verlässt das "Elternhaus" Hochparterre und ist ab sofort auf  http://metrodiary.wordpress.com/ zu finden. Ich freue mich, euch dort weiterhin zu empfangen. Herzlich, Therese Balduzzi

Dear Friends, the blog of the Swiss architecture and design magazine Hochparterre, for which I have been writing from New York, is moving to http://metrodiary.wordpress.com/, effective immediately. See you there!

Die "Füssli" der "Chräbeli"

[Sonstiges]
Noch ein Backerlebnis: Wie ich im altehrwürdigen Fülscher Kochbuch nachlas, muss man die geformten Chräbeli über Nacht trocknen lassen, bevor man sie in den Backofen schiebt. Damit trocknen sie an der Oberfläche etwas aus, womit sich beim Aufgehen eine Art kleines Podest bildet. Das Fülscher Kochbuch nennte es "Füssli". Ich hatte davor nie davon gehört, aber als ich meine Guetsli Schweizerinnen zum Verschen gab, wurde ich jeweils gefragt, ob ich die Chräbeli auch über Nacht hätte trocknen lassen, damit sie diese Füssli bilden. Das kam mir gestern wieder in den Sinn, als ich mit meiner Mutter telefonierte. Auch sie sprach von den Füssli. Offenbar sind die Chräbeli-Füssli tief in sämtlichen Köpfen der Schweizerinnen eingeprägt.

Zum Davonlaufen: Zierkohl

[Sonstiges]

Eine der weniger wichtigen Nebenerscheinungen des Winters sind die wetterfesten Begrünungen von Gärten: Nebst immergrünen Büschen, feiert da jeweils der Zierkohl ein vielfaches Stelldichein. Obwohl ich die rein visuellen Vorzüge gewisser Gemüsesorten im Kontext des Kochens und Essens sehr zu schätzen weiss, ist mir das Gemüse als Blumenersatz ein Greuel. Zierkürbisse in einer Schale können von mir aus noch gehen, aber vom violett-grünen Zierkohl in den Blumenbeeten im Winter bin ich gar nicht begeistert. Statt dass man sich einfach damit abfindet, dass jetzt ein paar Monate lang keine Blumen wachsen und die Aufmerksamkeit stillschweigend auf Anderes richtet, meldet jeder einzelne Zierkohl laut und grell: "Es ist Winter. Es wachsen keine Blumen! Ich sitze jetzt als zweitrangige Alternative hier, bis wieder Blumen blühen können." Ganz besonders angetan haben es mir halb verrottete/verwelkte Exemplare dieser Unpflanze.

Das Bild dieser Zierkohlköpfe bei der Einfahrt zu einer Gartenfirma, zwischen Maschendraht-Gartenzaun und parkierten Autos, drückt die Trostlosigkeit aus, die ich beim Anblick des Gewächs spüre, ziemlich treffend aus.

 

An der 85. Strasse zwischen Park und Madison Avenues sind Zierkohlköpfe um Bäume herum im Einsatz.

 

In eigener Sache: Balduzzi-Guzzis

[Sonstiges]

Da es dem Printmedienbusiness in der Schweiz (und hier sämtlichen Branchen) bekanntlich nicht so toll geht zur Zeit, habe ich schon verschiedene andere Verdienstmöglichkeiten in Betracht gezogen. Meine neuste Unternehmung sind Schweizer Weihnachtsguetsli, die ich auf Bestellung, sowie im Café Select in Soho verkaufe. Wie lukrativ das ist, ist noch unklar. Aber es hat mir bisher viel Spass bereitet, verschiedene Rezepte auszuprobieren und abzuwandeln, die Verpackung zu gestalten und das Label. Weil mich in New York die Mehrzahl der Leute Balducci nennen statt Balduzzi, weil Balducci's eine grosse Delikatessenkette ist hier, heissen die Guetlis jetzt "Balduzzi's". Für das Design des Labels half mir die Künstlerin Eveline Feldmann.

 

 

 

 

Guetsli-Förmchen

[Design]
Bin in letzter Zeit fest am Weihnachtsguetsli backen und habe dazu verschiedene Förmchen gekauft. Sowohl im teuren Pastry-Supply-Store wie im 99cents-Laden. Ersterer hat schönere Formen, die aber nicht unbedingt praktisch sind. So sind die Spitzen der Sterne lang und dünn, was sich für den Zimtsterneteig nicht eignet. Der Komet ist beim Ansatz des Schweifes so dünn, dass bisher jeder Versuch fehlschlug. Die Förmchen vom 99cent Store sind dagegen aus billigstem Plastik und abgesehen vom Stern, Herz und Mond teilweise auch schwierig zu deuten. So brauchte ich bei diesem Stern auf einem viereckigen Pflock ein Weilchen, bis ich begriff, dass es sich dabei wohl um einen Kometen handeln soll. Beim letzten Teil bleibt es aber unklar: ein Pilz vielleicht? Oder, wie sich eine Freundin diskret ausdrückte, "es erinnert etwas an WC-Kritzeleien...."

Dia Center wieder in Chelsea

[Architektur]

Die Odyssee der Dia Foundation scheint ein Ende zu nehmen: Im November verkündete die Stiftung, dass sie auf einem Gelände in Chelsea, das der Stiftung gehört, ein neues Museum erbauen werde. Genau genommen handelt es sich um eine ehemalige Garage gegenüber des einstigen Museums der Dia Foundation. Vor über 5 Jahren schloss das Dia Center for the Arts sein Museum in Chelsea, um es umzubauen. Bald wurde vom Vorstand aber beschlossen, dass eine Renovation des bestehenden Gebäudes zu teuer zu stehen kommen und die Bedürfnisse doch nicht decken würde. Das ehemalige Gebäude hatte unter anderem nur einen kleinen, engen Lift und ein schmales Treppenhaus. Während 5 Jahren zog das Dia Center alle möglichen Gegenden in Manhattan in Betracht, konnte sich aber nie ganz entscheiden. Am prominentesten war der Plan, am Südende des neu eröffneten Highline Parks in Chelsea einen Neubau aufzustellen.

Am unentschlossen wirkenden Vorgehen sind abgesehen von der Wirtschaftskrise vor allem auch ein häufiger Wechsel in der Führung des Museums schuld. Der Entschluss, in Chelsea zu bleiben, bzw. nach Chelsea zurückzukehren, wurde vom neusten Präsidenten der Stiftung, Philippe Vergne, gefasst. Im Unterschied zu anderen Museen sieht das Dia aber kein extravagantes Projekt eines berühmten Architekten vor, sonder einen funktionalen Bau, sagt Vergne.

Das Dia Center verfügt über zahlreiche feste Installationen. In New York etwa unterhält es Walter De Marias Earth Room und der "Broken Kilometer" in SoHo, sowie das Museum in Beacon, New York.

Prada und Halloween

[Sonstiges]

Zeitgemäss auf Halloween hin entdeckt, dass dieser Coiffeursalon mit Namen Prada, neuerdings einen - zumindest für Deutschsprachige - lustigen Namen hat:

 Ansonsten war Halloween einfach Halloween mit einer Masse phantasieloser Kostüme, die einen aber  gelungene Szenen umso schätzen lassen. z.B. die schöne knallrot gekleidete Teufelin, die mit einer Bassgitarre auf die Subway rannte, oder der Zombie, der seine Pandabärfreundin und den Ballonmannfreund im Grand Central ablichtete. 

 

Nicht schlecht auch der Banjospieler im Hasenkostüm in der Bar Lily's beim Union Square

 

Prinzessin Ivanka Trump und Prinz Jared Kushner

[Sonstiges]

Ivanka Trump ist mit Jared Kushner verlobt und die zwei Abkömmlinge zweier Immobilienimperien - der Trumps in New York und der Kushners in New Jersey - werden am 25. Oktober heiraten. Jared is Charles Kushners Sohn, einem Immobilienmogul in New Jersey, der mal wegen Steuerhinterziehung und anderer Delikte für ein Jahr im Gefängnis sass. Das passt ins Klischee des korrupten New Jersey, in dem ja auch nicht zufällig der fiktive Tony Soprano zu Hause ist. Die Kushners sind auch orthodox jüdisch. Auch das wird nicht als Widerspruch oder so taxiert (d.h. das religiös und kriminell sein), eher, wenn schon, dass Orthodoxe jeweils keine Nicht-Jden heiraten. Ivanka geht jetzt desjaöb fleissig in die Synagoge um rechtzeitig konvertieren zu können. Die märchenhafte Liaison zwischen Prinz und Prinzessin von zwei Immobilienreichen scheint passend, zumal beide auch workaholics sein sollen und sehr ehrgeizig und in etwelche Geschäften engagiert. Ivanka hat z.B. neuerdings eine Schmucklinie. Jared hat dagegen den New York Observer gekauft und bereits einen Drittel der Belegschaft gekündigt. Der Observer ist eine sehr insiderische New Yorker Wochenzeitung, in der z.B. die Kolumne Sex and the City ihren Anfang nahm, die später als Buch herauskam, auf dem die gleichnamige TV-Serie beruht.

Mit positivem Denken gegen Krebs und Arbeitslosigkeit

[Kultur]

Das Thema der Krebskranken, die sich dank einer weit verbreiteten vulgärpsychologischen Haltung unter Druck gesetzt fühlen,  ihrer Krankheit mit einer heldenhaft positiven Haltung zu begegnen, scheint viele zu beschäftigen. Dies ging einerseits aus persönlichen Gesprächen seit meinem Beitrag zum Anlass von Ted Kennedys Todes (weiter unten, 31.8.) hervor. Zudem hat Barbara Ehrenreich gerade ein Buch geschrieben, „Bright-sided“, das mit dem (Aber-)Glauben an die Kraft des positiven Denkens abrechnet. Ehrenreich ist Autorin vieler gesellschaftskritischer Bücher zu aktuellen Themen, z.B. auch von „Nickel and Dimed“, in dem sie von ihrem Versuch, während eines Jahres von Jobs mit Mindestlohn (in Amerika) zu überleben und vom Schicksal anderer Frauen, die sie dabei kennenlernt, erzählt. Ehrenreich hatte auch Brustkrebs und hat über die damit zusammenhängenden Erlebnisse geschrieben, u.a. über den irrationalen Glauben an die Wirkung einer positiven Einstellung, die im Grunde suggeriert, wer den Kampf gegen den Krebs verliere, habe irgendwie versagt... In „Bright-Sided“ weist sie diesen Glauben auch in Bezug auf andere (schwierige) Lebenssituationen nach: beispielsweise in der Reaktion vieler gegenüber Langzeit-Arbeitslosen, die partout einfach keine Stelle finden. Statt diese als die Opfer einer statistisch nachweisbaren Verschlechterung des Stellenangebots  zu sehen, taucht dabei die unausgesprochene Vermutung auf,  sie würden es nicht genug wollen oder würden sich sonst irgendwie falsch anstellen. Dies erlaubt nicht nur dem Einzelnen, die Gefahr selber arbeitslos zu werden zu verdrängen, sondern wirkt auf einer breiteren Ebene „entpolitisierend“: Statt die Gründe in der Struktur von Gesellschaft und Wirtschaft zu suchen, wird die Verantwortung den Betroffenen in die Schuhe geschoben.  Für Ehrenreich hört es aber nicht damit auf. Die Autorin macht diesen in jedem zweiten Hollywoodfilm vorgebeteten Glauben, wenn man fest genug an etwas glaube, liesse es sich auch verwirklichen, nicht zuletzt für die unvernünftigen Finanzspielchen verantwortlich, die zur gegenwärtigen Krise führten.

Aromatherapie fürs Büsi*:

[Sonstiges]

Gerade auf der Heimfahrt einen Artikel gelesen über junge Frauen in Manhattan, die sich Lifecoach und Gurus eklektischer New-Age-Richtung zuwenden, bzw. selber solche werden. Es heisst, in diesen schwierigen Zeiten laufe das Geschäft für alle Branchen weniger gut, ausser diesen der Wahrsager, Astrologen und Naturheiler. Es ist unglaublich, wieviel Geld Leute, die es sich gar nicht leisten können, dafür ausgeben, von einem Prediger/Psychologen/Wahrsager/Life Coach Mut zugeredet zu erhalten...... Eure betont unmystische Autorin (und Katzennärrin) fasst diesen ganzen Newage-Hokuspokus gerne unter dem Titel dieses Beitrags zusammen. Miau!

*helvetisch für Katze

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