1. August in New York: Hotdog statt Bratwurst

Da die ehemalige Empfangshallen für Immigranten auf Ellis Island eine Sehenswürdigkeit von nationaler Bedeutung darstellen, musste sich das Schweizerfest an die strikten Bedingungen für Anfahrt (nur mit der offiziellen Circle Line-Ferry möglich) und Kontrolle (Anmeldung mit genauem Namen 48 Stunden im Voraus, Sicherheitsbestimmungen wie am Flughafen) halten. Mit anderen Worten: man fühlte sich schwer an die Verballhornung der Nationalhymne "Trittst im Morgenrock daher..." erinnert, als man am Samstag früh aufstehen musste, um rechtzeitig auf die Fähre (nur von 9-11) zu gelangen.
Dort angekommen, stellte sich heraus, dass allen 2000 angereisten Schweizern der Magen zur gleichen Zeit zu Knurren begann. Leider waren die Caterer vom Ansturm masslos überfordert und es entstand eine stundenlange Bratwurst-Schlange.

Wobei sie eher die Form einer dieser endlosen Ringwürste annahm.....

Wer keine Lust hatte, bei 35-40 Grad Hitze mehr als eine Stunde anzustehen, ging halt in die klimatisierte Museumscafeteria und verzehrte im schattigen Garten davor einen zweitklassigen amerikanischen Hotdog. Von dort aus präsentierte sich dafür das Schweizer Postauto besonders schön vor der Manhattan Skyline...

...und liess sich ein Plakattransport ("How Swiss is America?") à la Monsieur Hulot (Jacques Tati) beobachten....

Der ganze Anlass fand im Zeichen von Swiss Roots statt, der neusten Schweizer PR-Bemühung und einer der bisher überzeugendsten Aktionen der Präsenz Schweiz in New York, zumal das Interesse an Genealogie in Amerika gegenwärtig floriert. Sie wurde grossenteils vom amtierenden Generalkonsul in New York, Botschafter Raymond Loretan, initiiert.
Nebst Bundesrat Couchepins offizieller Rede zur Eröffnung der Ausstellung über berühmte Schweizer Einwanderer "Small Number - Big Impact" war sicher der Auftritt der Countrysängerin Jewel, alias Jewel Kilcher und ihres Vaters Atz Kilcher, die über Schweizer Wurzeln verfügen, ein Highlight. Das Swiss-Roots-Team erhofft sich zu Recht, dank solcher Celebrities - wie auch mit der medienträchtigen Schweizer Reise des Football-Spielers Ben Roethlisberger - grössere Wellen zu schlagen.


Für die bitternötige Verbreitung eines fazettenreicheren Gesichts der Schweiz, das über das elende Klischee Schokolade-Käse-Uhren-Bankgeheimnis hinausgeht, ist allerdings die Ausstellung "Small Number - Big Impact" des Migrationsmuseum geeigneter.

Die Ausstellung präsentiert die Errungenschaften von Schweizer Einwanderern verschiedenster Gebiete und Generationen: Sie reicht von Robert Frank, Louis Chevrolet, Adolph Rickenbacher (Erfinder der elektrischen Gitarre), Elisabeth Kübler-Ross (Sterbeforscherin) und dem Ingenieur Othmar H. Amman, der die wichtigsten Brücken von und zu Manhattan gebaut hat, bis zu Marc Forster (Hollywood-Filmregisseur) oder Johann August Sutter, einem frühen Einwanderer und Abenteurer aus der Schweiz.

Mit ihrer Situierung im dritten Stock des Ellis Island Museums für den Durchschnittsbesucher leider etwas abgelegen - besonders da der Lift nicht zu funktionieren scheint - lässt sich wünschen, dass sie dennoch von genug der erhofften 60 000 Besuchern wahrgenommen wird. Mehr Leute wird dagegen sicher das dazu erschienene attraktive Buch mit gleichem Titel (NZZ-Verlag) erreichen. Die Ausstellung wird im Frühjahr 2007 im Zürcher Landesmuseum zu sehen sein. Projektleiter ist Markus Hodel. Das Migrationsmuseum ist vorläufig noch kein physisch existierendes Museum, sondern ein Verein, der bereits 1998 gegründet wurde und dessen Präsident der bekannte Schweizer Filmregisseur Samir ist. Eine Einladung des Ellis Island Immigration Museums, eine Ausstellung über die Schweizer Immigration in die USA zu machen, war für das ganze Swiss Roots-Projekt ausschlaggebend.



















