Richard Serra Retrospektive im Moma

[Kunst]
Unter dem Titel "Richard Serra Sculpture: Forty Years" zeigt das Moma vom 3. Juni bis zum 10. September eine Retrospektive des minimalistischen Künstlers. "Was, nur so kurz", denkt man, wenn man den Artikel in der New York Times über die nervenaufreibende, gefährliche Installationsarbeiten gelesen hat (Art Section, 20. Mai, ein link dazu befindet sich auf der MoMa-Webseite). Dabei sind dreieinhalb Monate auch für eine grössere Ausstellung eine völlig normale Zeitspanne. Sowohl Arbeiten vom anfänglichen Schaffen Serras aus Gummi und mit Neon sind über das Museum verteilt zu sehen wie auch die gigantischen Stahlskulpturen, mit denen sein Name wohl am öftesten assoziiert wird.

Zu sehen sind unter anderem:



"Sequence", 2006
© 2007 Richard Serra /Artist Right Society (ARS) New York. Photo: Lorenz Kienzle

und



Sequence", 2006
© 2007 Richard Serra /Artist Right Society (ARS) New York. Photo: Lorenz Kienzle

Kunst im Raum: Eveline Feldmann

[Kunst]
Die aus Bern stammende, in New York lebende Künstlerin Eveline Feldmann hat für die Tee-Bar "T-Salon" in Chelsea eigens eine permanente Lichtskulptur hergestellt. Die ursprünglich als Hochbauzeichnerin ausgebildete Künstlerin gestaltet ihre Arbeiten im Dialog mit dem Raum. Mit ihren aus gebrauchten Teebeuteln - die in langwieriger Arbeit getrocknet, geöffnet und geglättet und schliesslich aneinandergenäht werden - gestalteten Formen, teilt sie grosse Räume in intimere Segemente ein, die nicht zuletzt wegen dem durch den Schleier aus Teebeuteln gefilterten Licht, eine warme Atmosphäre herstellen. Für "T-Salon" hat Feldmann eine Lampenskulptur aus drei sich diagonal durch die Decke des Lokals schlängelnde Raupen kreiert.

Das Lokal wir am Dienstag eröffnet:

T-Salon/Bar/Market
at Chelsea Market
459 W.15th Street (betw 9th&10th Aves)

Opening: Dienstag, 22. Mai, von 9 - 11 pm


ICFF: International Furniture Fair

[Design]
An der International Contemporary Furniture Fair(ICFF) im Jacob Javits
Center waren enttäuschend wenig innovative Ideen zu entdecken. Das meiste
hatte man schon gesehen, schien wenig überzeugend oder war eine neuere
Version eines Designs der 50er und 60er Jahre. Eines der Produkte, das
sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugte, war der Kinderstuhl
Nester von MOZEE aus England. Der Stuhl lässt sich in der Höhe verstellen,
womit er verschiedene Funktionen erfüllt: tief als komfortabler Kinderstuhl,
hoch als Kinder-Essstuhl mit vorne ansetzbaren Tablett.

Nester als Kindersessel


Nester zum Kinderessstuhl umgestellt


Sehr schön waren auch die Screens und Lampenshirme von Deform Design aus Brooklyn , die aus einzelnen dünnen Holzelementen zusammengesteckt werden (wie die weissen Plastiklampen aus den 70er Jahren). Die neue Idee (Material) zum bereits existierenden Konzept (vorgestanzte, zusammensteckbare Elemente) war überzeugend. Das warme, leicht organge Licht, das von den Lampen ausging, erinnerte etwas an die (Leucht-)Skulpturen aus Teebeuteln der in New York lebenden Schweizer Künstlerin Eveline Feldmann.

New Yorker High Society:

[Sonstiges]
Anlässlich der Ausstellungseröffnung im Costume Institute des Metropolitan Museum fand gestern auch der jährliche Benefiz-Gala-Abend des Costume Institutes statt. Es ist einer der wichtigsten gesellschaftlichen Anlässe der New Yorker Society, an dem entsprechend hochkarätige Stars teilnehmen. Gestern waren sowohl Cate Blanchett, Kirsten Dunst, Liv Tyler, Renée Zellweger, Scarlett Johansson, sowie die Designer Stella McCartney, Mucca Prada, Donatella Versace, Tom Ford und Balenciaga-Designer Nicolas Ghesquière dabei. Als Vorsitzende des Costume Institute organisiert die berühmt-berüchtigte Chefredakteurin der amerikanischen Vogue ("The Devil wears Prada"), Anna Wintour, den Modeball seit 1995 und hat bisher bereits 21 Millionen Dollar gesammelt. Sie wurde deshalb 1998 in den Vorstand des Mets aufgenommen und damit in den intimsten Kreis der New Yorker High Society. Denn unter den privaten Geldgebern für das Metropolitan Museum befindet sich die Crème de la Crème der New Yorker Gesellschaft, darunter Familien, deren Ahnen zu den ersten Bewohnern New Yorks gehörten. Bilder des Galaabends können auf der Website des Societyfotografen Patrick McMullen oder auf Style.com bewundert werden.

Poiret: Urvater mancher Modetrends

[Design]
Am 9. Mai wird offiziell die Ausstellung "Poiret - King of Fashion" im Metropolitan Museum eröffnet. Paul Poiret (1879 - 1944) war einer der wichtigsten Modeschöpfer aller Zeiten. Viele Aspekte der modernen Mode sowie des modernen Modebusiness gehen auf ihn zurück. Eine seiner wichtigsten Errungenschaften war, die Frauen vom Korsett zu befreien: Anstelle von steifen Konstruktionen führte er bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts fliessende Silhouetten ein.


Paul Poiret (French, 1879–1944),Evening Wrap, 1918
Black silk and gold lamé striped satin weave jacquard

Revolutionär war auch sein neuer Ansatz, die Kleider direkt auf den Körper zu drapieren. Damit trat seine Drapierkunst an die Stelle des bisher dominanten Schnittmuster-Handwerks.


“Théâtre des Champs-Élysées” Dress and “Espérance” Headdress, 1913
Ivory silk foliate damask, silk tulle, and china silk with rhinestone trim and green and black silk gauze tape; green and black silk gauze and rhinestone strand headdress



Paul Poiret (French, 1879-1944), Irudrée Dress, ca. 1923, Gold lamé

Von östlichen (nahen und fernen} Einflüssen geprägt, führte er vor allem durch Drapieren gestaltete Kleidungsstücke ein, die etwa entweder auf dem Kimono-Prinzip, den Harem-Pumphosen (1911 ein Skandal!), oder auf der Tunika basierten.


Kimono-Mantel
‘Révérend’ Coat worn by Jeanne Boivin-Poiret, 1905
Red wool and ivory silk damask with red silk floss embroidery


Harempumphosen und Turban. Die Pumphosen gelten 1911 noch als skandalös!
Paul Poiret (French, 1879-1944), Fancy Dress Costume, 1911
Kostum für Denise Poiret für einen Kostümball mit Harem-Thema.

Die wunderschön gestaltete Ausstellung - eine der besten der letzten Jahre - enthält so manche Überraschung. Auch mit rein oberflächlichem modischem Wissen, wird offensichtlich, wieviele Ideen auf Poiret zurückgehen, gerade auch was die aktuelle Mode betrifft: Die drapierten Kleider, die an die Antike erinnern und oft mit der etwas später aufgekommenen Mme. Grès in Verbindung gesetzt werden, hat Poiret vorweggenommen. Ebenso die Kleider mit Empire-Taille, Turbane und die für die 20er Jahre typischen, damals revolutionären Formen, wie Bubikopf-Frisuren, Glockenhüte, tief sitzende Taillen, leichte Ballon-Rockformen. Sowohl Marc Jacobs scheint bei seiner letzten Winterkollektion für den Herbst/Winter 07/08 sich schwer bei Poiret bedient zu haben als auch Donna Karan (Turbane, Silhouette, Drapiertes).

Eine Art Déjà-vu-Erlebnis sind dagegen die Illustrationen dieser Zeit, die über ihre darstellerische Funktion hinaus auch selber emblematisch für die Zeit wurden. Häufiger Illustrator von Poirets Kleidern war Georges Lepape



Georges Lepape (French, 1887-1971)
Les choses de Paul Poiret / vues par Georges Lepape, 1911

Mit seiner Expansion ins Parfumgeschäft (nach seiner ersten Tochter, Rosine, benannt) und ins Einrichtungsgeschäft (nach seiner zweiten Tochter, Martine, benannt) hat Poiret sogar das Konzept des "Lifestyle Marketings" vorweggenommen.

Heute wiederum von höchster Aktualität ist auch seine Meinung, Frauen sollten tragen, was ihnen am besten steht, nicht, was gerade trendy sei!

Design für die Dritte Welt:

[Architektur]
Um in den Genuss von Produktedesign zu kommen, muss man sich die entsprechenden Produkte erst mal leisten können. Für die Ärmsten dieser Welt ist deshalb die Frage, wie etwas gestaltet ist, vermutlich sekundär. Doch immer mehr Designer befassen sich damit, wie sie armen Menschen mit Design helfen können. Die Ausstellung "Design for the Other 90 Percent" im Cooper Hewitt-Museum zeigt im Garten eine Reihe von Ergebnissen: Das "PermaNet" ist ein Moskitonetz, dessen Fasern mit Insektizid behandelt sind. Es kann damit über längere Zeit vor Malaria schützen. Malaria ist die Infektionskrankheit, die weltweit am meisten Kinder tötet. Eine Kombination von einem kleineren Lehmtopf, der in einem grösseren Lehmtopf gestellt wird, wirkt als einfacher Kühlbehälter, wenn der Zwischenraum mit Sand und Wasser gefüllt wird. Beim Verdunsten kühlt das Wasser den inneren Topf ab. In Nigeria, wo der Behälter gestaltet wurd, kann so Gemüse wie z.B. Tomaten, die sonst nur drei Tage halten würden, auf diese Weise drei Wochen überstehen. Das Sierra Portable Light ist eine kleine Matte aus L.E.D.-Fasern, die von mexikanischen Webern gewoben werden. Sie ermöglichen Menschen in abgelegenen Dörfern, die nicht über Elektrizität verfügen, länger zu arbeiten. Ein Plastikfass, das in der Mitte hohl bleibt, kann mit einer Schnur durch seine Mitte gezogen werden und den Wassertransport massiv erleichtern. Cooper-Hewitt-Museum

Global Village Shelter
Designer: Ferrara Design, Inc., with Architecture for Humanity
Manufacturer: Weyerhaeuser Compan, United States, 2004


Photo: © 2005 Architecture for Humanity and Grenada Relief, Recovery, and Reconstruction

PermaNet
Designer: Vestergaard Frandsen
Manufacturer: Vestergaard Frandsen S.A., Vietnam, 2000


Photo: © 2005 Palle Peter Skov

Q-Drum
Designer: P. J. and J. P. S. Hendrikse
Manufacturer: Kaymac Rotomoulders and Pioneer Plastics, Pretoria, South Africa, 1993


Photo: © 1993 P. J. Hendrikse

Sierra portable light mat
Designer/Manufacturer: Portable Light Team, KVA MATx, United States, 2006


Photo: Stanford Richins

Frank Stella im und auf dem Met:

[Architektur]
Auf dem Dach des Metropolitan Museums sind bis Ende Oktober neue Stahlskulpturen von Frank Stella zu sehen. Paralelle dazu läuft auch die Ausstellung "Frank Stella: Painting into Architecture" (nur bis 29. Juli!), die die jüngste Beschäftigung des Künstlers mit Architektur aufzeigt. Angefangen von der Malerei bis zum Wandrelief und zur freistehenden Skulptur-(Architektur) ist eine Entwicklung der formalen Studien mitzuverfolgen. Dabei sind sowohl kleine wie enorme Modelle (im Masstab 1:4) zu ausgestellt. Die Ausstellung auf der Dachterasse ist ein besonderer Genuss, da man gleichzeitig auch eine Aussicht auf die Skyline Manhattans reinziehen kann und dabei sogar Drinks schlürfen darf. Dazu bieten sich besonders die Freitag- und Samstagabende an, an denen das Metropolitan Museum bis um 21 Uhr geöffnet bleibt. Zwar längst kein Geheimtipp mehr, sind die Abende auf der Terrasse im Sommer auch eine Art ¨Pièce de Résistance" für den gehobenen Aufriss....


© Frank Stella/Artists Rights Society (ARS), New York


© Frank Stella/Artists Rights Society (ARS), New York

Hotelboom in Las Vegas:

[Architektur]
Während es allgemein heisst, in Amerika habe sich der heisse Immobilienmarkt etwas abgekühlt, hängt dies stark von der Art der Immobilie und noch stärker vom Standort ab. Dabei bildet Las Vegas ebenso eine Ausnahme wie New York, wenn auch auf ganz andere Art. Seit Las Vegas sich erfolgreich nicht nur als Kasinostadt, sondern auch als Kongressstadt vermarktet hat, erfährt die dortige Hotelindustrie eine Belegungsrate von 95% für Wochenden und über 90% unter der Woche. Deshalb ist auch das bisher grösste begonnene Projekt, namens City Center, weniger wahnwitzig als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Mit 7 Milliarden Dollar ist das Hotel- und Eigentumswohnungs-projekt des Spielkasino-Riesen MGM Mirage das grösste je von privater Hand finanzierte Projekt der USA. City Center umfasst den Bau von einem 60stöckigen Kongresszentrum und Kasinohotel mit 4000 Zimmern von Pelli Clarke Pelli Architects sowie sechs weiteren Türmen mit Eigentumswohnungen und Hotels von Helmut Jahn (Chicago), Foster & Partners (London), Pelli Clarke Pelli Architects (Connecticut), RV Architecture LLC von Rafael Viñoly und Kohn Pederson Fox Architects (New York) sowie ein Luxus-Einkaufsviertel von Daniel Liebeskind (New York). Die Überbauung kommt mitten am berühmten "Strip" auf einem Gelände von 31 Hektaren zu stehen und will sich bewusst von der herkömmlichen Kasino-Architektur abheben. Gepokert wird auf die spendierfreudigen Babyboomer-Generation, deren Kinder ausgezogen sind und die teilweise bereits ins Rentenalter kommen.

Las Vegas Strip



City Center: