Am 9. Mai wird offiziell die Ausstellung "Poiret - King of Fashion" im
Metropolitan Museum eröffnet. Paul Poiret (1879 - 1944) war einer der wichtigsten Modeschöpfer aller Zeiten. Viele Aspekte der modernen Mode sowie des modernen Modebusiness gehen auf ihn zurück. Eine seiner wichtigsten Errungenschaften war, die Frauen vom Korsett zu befreien: Anstelle von steifen Konstruktionen führte er bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts fliessende Silhouetten ein.

Paul Poiret (French, 1879–1944),Evening Wrap, 1918
Black silk and gold lamé striped satin weave jacquard
Revolutionär war auch sein neuer Ansatz, die Kleider direkt auf den Körper zu drapieren. Damit trat seine Drapierkunst an die Stelle des bisher dominanten Schnittmuster-Handwerks.

“Théâtre des Champs-Élysées” Dress and “Espérance” Headdress, 1913
Ivory silk foliate damask, silk tulle, and china silk with rhinestone trim and green and black silk gauze tape; green and black silk gauze and rhinestone strand headdress

Paul Poiret (French, 1879-1944), Irudrée Dress, ca. 1923, Gold lamé
Von östlichen (nahen und fernen} Einflüssen geprägt, führte er vor allem durch Drapieren gestaltete Kleidungsstücke ein, die etwa entweder auf dem Kimono-Prinzip, den Harem-Pumphosen (1911 ein Skandal!), oder auf der Tunika basierten.

Kimono-Mantel
‘Révérend’ Coat worn by Jeanne Boivin-Poiret, 1905
Red wool and ivory silk damask with red silk floss embroidery

Harempumphosen und Turban. Die Pumphosen gelten 1911 noch als skandalös!
Paul Poiret (French, 1879-1944), Fancy Dress Costume, 1911
Kostum für Denise Poiret für einen Kostümball mit Harem-Thema.
Die wunderschön gestaltete Ausstellung - eine der besten der letzten Jahre - enthält so manche Überraschung. Auch mit rein oberflächlichem modischem Wissen, wird offensichtlich, wieviele Ideen auf Poiret zurückgehen, gerade auch was die aktuelle Mode betrifft: Die drapierten Kleider, die an die Antike erinnern und oft mit der etwas später aufgekommenen Mme. Grès in Verbindung gesetzt werden, hat Poiret vorweggenommen. Ebenso die Kleider mit Empire-Taille, Turbane und die für die 20er Jahre typischen, damals revolutionären Formen, wie Bubikopf-Frisuren, Glockenhüte, tief sitzende Taillen, leichte Ballon-Rockformen. Sowohl Marc Jacobs scheint bei seiner letzten Winterkollektion für den Herbst/Winter 07/08 sich schwer bei Poiret bedient zu haben als auch Donna Karan (Turbane, Silhouette, Drapiertes).
Eine Art Déjà-vu-Erlebnis sind dagegen die Illustrationen dieser Zeit, die über ihre darstellerische Funktion hinaus auch selber emblematisch für die Zeit wurden. Häufiger Illustrator von Poirets Kleidern war Georges Lepape
Georges Lepape (French, 1887-1971)
Les choses de Paul Poiret / vues par Georges Lepape, 1911
Mit seiner Expansion ins Parfumgeschäft (nach seiner ersten Tochter, Rosine, benannt) und ins Einrichtungsgeschäft (nach seiner zweiten Tochter, Martine, benannt) hat Poiret sogar das Konzept des "Lifestyle Marketings" vorweggenommen.
Heute wiederum von höchster Aktualität ist auch seine Meinung, Frauen sollten tragen, was ihnen am besten steht, nicht, was gerade trendy sei!