PS1-Vernissage, Gay Pride Parade

[Kultur]
Diesen Sonntag findet die Gay Pride Parade statt, die an der Fifth Avenue beginnt und danach der Christopher Street entlang zum Hudson River führt. Die Parade ist mittlerweile eine Institution geworden, bei der Politiker, Promis und sogar schwule und lesbische Polizisten in Uniform mitlaufen. Für junge Homosexuelle ist sie so etabliert, dass sie sie langweilig finden. Doch die Gay Pride Parade repräsentiert einen wichtigen Bestandteil der New Yorker Lebenskultur. Zudem ist es vielleicht in New York kein Problem, sich zu outen, in anderen Landesteilen aber noch lange nicht einfach.

Wer dem Betrieb entgehen will und nicht an den Strand fahren kann oder will, kann an die heutige Vernissage P.S.1 in Long Island City, Queens. Dort wird die Ausstellung "Organizing Chaos" mit Jim Shaw, Tunga, Peter Young u.v.a.m. eröffnet. Eingeweiht wird auch die Sommer-Installation im Hof, "Liquid Sky" von Ball-Nogues (vgl. NY-Blog März!). Ab nächstem Samstag, dem 30. Juni finden jeden Samstagnachmittag, 1-9, die Warm-Up! Parties im Hof statt. Die Parties, die vor 10 Jahren begonnen wurden und damals noch ein Geheimtipp der Kunstszene waren, sind mittlerweile sehr voll und deshalb fast etwas überwältigend. Die Stimmung kann je nach D.J. und Publikum (und Hitze!) zwar immer noch toll sein, es ist einfach nicht mehr so gemütlich wie in den Anfängen.

Ideen für die Zukunft von Governors Island

[Architektur]
Die fünf von der Governors Island Preservation and Education Corporation (GIPEC) beauftragten Architekturfirmen haben je ihre Ideen für einen grossen Park im südlichen Teil der Insel entworfen. Die Pläne und Skizzen sind ab jetzt einen Monat lang an zwei Orten zu sehen: an Wochenenden auf der Insel selber und unter der Woche im AIA an La Guardia Place beim Washington Square Park. Die fünf teams sind:

* Field Operations with Wilkinson/Eyre Architects
* Hargreaves Associates/Michael Maltzan Architecture
* REX/MDP
* West 8/Rogers Marvel/Diller Scofidio+ Renfro/Quennell Rothschild/SMWM
* WRT + Urban Strategies

Sie wurden aus 29 Teams aus 10 Ländern und 65 Firmen ausgelesen. In einem Monat wird entschieden, welcher Plan bevorzugt wird. Es ist zu erwarten, dass der Gewinnerplan dann aber noch viele Revisionen durchmachen wird.

Diesen Sommer wird Governors Island noch leichter zugänglich gemacht als sonst. An Wochenenden kann die Fähre vom Battery Park aus genommen werden. Von Brooklyn aus beginnt zudem Water Taxi von Red Hook und dem Fulton Landing in Dumbo mit regelmässigen Fahrten zur nahen Governors Island.

New Yorker Kunstszene: Chelsea Hotel

[Kultur]
Die Nachricht, dass das legendäre Chelsea Hotel ab sofort unter neuem Management ist, hat die New Yorker Kunstszene erschaudern lassen: Noch eine Institution, die dem Immobilienboom zum Opfer fällt! Denn anders als im Rest des Landes, ist in New York der Boom unaufhaltbar.
Das 12stöckige Chelsea Hotel wurde 1883 gebaut und enthält 250 Zimmer. Es hat im Lauf seiner Geschichte solch unterschiedliche Persönlichkeiten wie Mark Twain, Tennessee Williams, Dylan Thomas, Andy Warhol und Sid Vicious und Nancy Spungen beherbergt. Es wurde während 60 Jahren von der Familie Bard geführt. Der 73jährige Stanley Bard übernahm Anfang sechziger Jahre das Hotel von seinem Vater, David, der es zusammen mit zwei Partnern 1945 gekauft hatte. Dessen Enkel, der auch David heisst, ist 41. Stanley hat das Hotel während Jahrzehnten mit viel Verständnis für die Künstler geführt, die ihm manchmal über längere Zeit die Miete schuldig blieben. Dafür verlangte er jeweils, dass sie ihm eine Arbeit schenkten, wenn sie das Hotel verliessen. Nicht wenige Künstler, die später berühmt wurden, haben es ihm verdankt. Die Wende ist das Resultat eines Machtkampfes, während dessen Stanley Bard versuchte, mehr Kontrolle über die Shareholder, die das Hotel besitzen, zu kriegen. Doch der Vorstand will vermutlich mehr Profit aus dem Hotel schlagen. Gegenwärtig sind ca. 60% der Wohnungen von Dauergästen belegt, der Rest wird kurzfristig an Hotelgäste vermietet. Der Vorstand behaupet zwar einerseits, er werde keine Mieter rausschmeissen, verlangte aber bereits vor zwei Jahren, dass Stanley keine neuen Langzeitgäste mehr aufnehme. Die New Yorker Kunstszene befürchtet zurecht, ein weiteres Stück Lebensqualität (und ein Stück Geschichte!) zu verlieren.

New Yorks Filmkulissen

[Sonstiges]
Eine Ausstellung in der Vanderbilt Hall des Grand Central Terminals dreht sich um den Filmschauplatz New York. Die Ausstellung uwrde von James Sanders zusammengestellt und basiert auf seinem 2001 veröffentlichten Buch zum Thema "Cellulid Skyline: New York and the Movies", wie auch die Ausstellung heisst. Bei der Auswahl der Filme, ging es mehr darum, dass New York eine bestimmte Rolle spielt als dass die Filme in New York gedreht wurden. So wurde beispielsweise Hitchock's "Rear Window", das komplett im Filmstudio gefilmt wurde, in die Ausstellung aufgenommen, weil das bunte Leben seiner Nachbarn, das James Stewart in seiner Rolle als Fotoreporter beobachtet, klar das lebhafte Greenwich Village repräsentiert. Eine lange Reihe von Filmen - angefangen bei "Breakfast at Tiffany's" - liegt völlig auf der Hand: Scorseses "Mean Streets" und "Taxi Driver", Woody Allens "Annie Hall" und "Manhattan", oder auch FRances Ford Coppolas Godfather I und II. In Carlitos Way, flieht Al Pacino über die Rolltreppen des Grand Central Terminals, dem gleichen Bahnhof, durch den Cary Grant bereits Jahrzehnte zuvor in Hitchcocks "North by Northwest" hastet. Aber eben: Ein wahrer New York-Film zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er in New York gedreht wurde, sondern dadurch, dass er einer impliziten Liebeserklärung an New York gleichkommt, ganz egal, ob New York darin romantisch wirkt (Woody Allen), voller Konflikte (Spike Lees "Do the right thing") oder voller gewalttätiger Spinner (Taxi Driver). Eine solche war auch in der TV-Serie "Sex and the City" enthalten, in der es jenseits der amourösen Abenteuer der Protagonistinnen vor allem um ihre grosse Liebe New York ging.....

Vanderbilt Hall im Grand Central Terminal bis 22. Juni

Eine Videotour kann man auf der Website der New York Times www.nytimes.com/arts sehen.

Public Art: Schaufenster im Schaufenster

[Kunst]
"Potential Store Fronts" heisst die Installation der Künstlerin Beth Campbell im Financial District (125, Maiden Lane). Sie besteht aus einem Schaufenster, indem sich wieder dasselbe Schaufenster befindet, indem.....etc. fünfmal wiederholt sich das Set. Wie die Künstlerin in einem Interview mit der NYTimes erklärt (15.5.) ging es ihr primär darum, ein öffentliches Kunstprojekt zu gestalten, das sich nicht auf Anhieb als solches ankündigt, sondern mit den Erwartungen und der Wahrnehmung der Betrachter spielt. Die Idee zum unspezifischen Schaufenster kam der 35jährigen Künstlerin aus Brooklyn dank der unpersönlichen kleinen Läden in ihrem Wohnquartier Greenpoint, die sowohl Buchhalter, Versand- oder Fotokopierdienste anbieten (könnten).

125 Maiden Lane. Bis 24. Juni

Designing Governor's Island: 13. Juni

[Architektur]
Am 13.6. organisiert das Van Alen Institute ein Open House, bei dem die verschiedenen Projekte für die Governors Island gezeigt und diskutiert werden. Das Van Alen Institute hat sich schon 1996, als die Insel noch nicht New York gehörte, sondern dem US-Bund einen Wettbewerg organisiert. Aus den anfänglichen Bemühungen des Van Alen Institutes entstand schliesslich die GIPEC (Governors Island Preservation and Education Corporation).

June 13, 2007, 6:00PM - 8:00PM
Van Alen Institute, 30 West 22nd Street, 6th Floor

4.9 Millionen Dollar für Prouvé-Haus

[Architektur]
An der Auktion von Christie's in New York erstand der New Yorker Hotelier André Balazs Dienstag die "Maison Tropicale" von Jean Prouvé für 4.9 Millionen Dollar. Das Modellhaus hatte der französische Designer 1951 für die Massenproduktion entworfen. Er dachte dabei in erster Linie an eine französische Kolonie in Westafrika. Dort, Brazzaville, war es auch, wo der frühere Besitzer, Eric Toualeume, gefunden hatte. Im Hinblick auf die Aktion wurde das Haus in Long Island City ausgestellt. Der gebürtige Franzose André Balazs ist in den USA ein bekannter Hotelier, besitzt er doch das Luxushotel "Mercer Hotel" im Stadtteil SoHo in New York, sowie das Chateau Marmont in Los Angeles. Darüber hinaus gehören Balazs auch die Standardhotels in L.A. und bald auch in New York. Zudem besitzt er mit 40 Mercer Soho auch einen Neubau mit Eigentumswohnungen von Jean Nouvel. Ein weiteres Projekt mit Jean Nouvel ist in Vorbereitung. Und schliesslich baut er mit "William Beaver" auch einen der wenigen Neubauten im Financial District, ein Haus, das ebenfalls luxuriöse Eigentumswohnungen enthalten wird. Der gut aussehende Mittvierziger ist u.a. auch für seine Bezieung mit Uma Thurman bekannt.