Explosion in Midtown

[Sonstiges]
Am Mittwoch Abend um 6 explodierte in Midtown Manhattan - genau an der Lexington Avenue und 41. Strasse und damit praktisch vor dem Grand Central Terminal - eine Leitung des unterirdisch verlaufenden New Yorker Dampfsystems. Wer wie ich, gleich nach der Explosion dazu stiess, sah eine riesige Dampfwolke zwischen den Hochhäusern und Menschen, die von Schutt beregnet in alle Richtungen rannten. Die meisten Trottoirs in der Umgebung waren von der Polizei abgesperrt und die Leute liefen auf der Strasse - im Stossverkehr. Im Nachhinein wurde einem klar, dass sie die Dohlendeckel absperrten, für den Fall, dass diese auch explodieren würden. Im Moment wusste aber niemand, was los war. Die Mobiltelefone hatten teilweise keinen Empfang und ratlos herum stehende Leute fragten einander, ob sie wüssten, was los sei. Natürlich dachten alle an einen Terroranschlag und die, die die Attacken vom September 2001 miterlebt hatten, suchten nach Zeichen, dank derer man abschätzen könnte, wie ernst die Lage wohl sei. Wie damals standen auch diesmal wieder Bars mit laufenden Fernsehern offen, über die man mehr erfahren konnte. Der Unfall hat bisher ein Menschenleben und etwa 20 Verletzte gefordert. Sorgen macht noch eine eventuelle Asbestkontaminierung. Die Mehrheit kam aber mit dem Schrecken davon. Für News Updates, vgl. den Lokalsender NY1 online.

50 000 Betten

[Kunst]
50 000 Beds heisst ein vom Künstler Chris Doyle konzipoiertes Videoprojekt mit 45 teilnehmenden Künstlern. Grob gesehen, dreht sich alles um Hotelzimmer, diese anonymen, gesichtslosen Räume, die in Kunst, Literatur, Film und Modefotografie ein vielbenutztes Topos sind. Doyle hat selber bereits mit Hotelbetten gearbeitet: Sein interessantes Video "Sheets" aus dem Jahr 2004, in dem sich die Bettlaken bewegen, wie wenn sich jemand ins Bett legen würde, ausser dass kein Mensch anwesend ist - ist als permanente Ausstellung hinter der Reception im Hotel Rivington an der gleichnamigen Strasse an der Lower East Side zu sehen. Ihn nahm es deshalb Wunder, was andere Künstler mit dem Thema anstellen würden. Er fragte 45 Künstler an, die mit den unterschiedlichsten Resultaten aufwarteten - darunter mit Filmen von nur 90 Sekunden bis zu solchen mit 23 Minuten. Sie werden in drei Museen in Connecticut gezeigt, dem Aldrich Museum in Rigefield, dem Real Art Ways in Hartford, und im Artspace in New Haven. Finanziert wurde das Projekt nämlich durch ein Stipendium des Amts für Kultur- und Tourismus in Connecticut, das sich dadurch verspricht, eine jüngere Generation für ihre Museen begeistern zu können. 50 000 ist die Zahl der vorhandenen Hotelbetten im Staat Connecticut. (Die Hotels bleiben aber in den Arbeiten anonym). Die Installation/Ausstellung wird am nächsten Wochenende, vom 20. - 23. Juli aufgehen und bis zum 3. September (im Art Space bis zum 15. September) zu sehen sein. Für genaue Öffnungszeiten etc. bitte Websiten konsultieren.


Judi Werthein, Life Should Be A Dream, 2007
Courtesy of the artist


Jorge Colombo, Scott (video still), 2007
Courtesy of the artist



Tyler Coburn, HOTEL HOTEL HOTEL (video still), 2007
Courtesy of the artists and Chris Doyle Studio

Glashaus: Philip Johnson

[Architektur]
Ebenfalls in Connecticut: Das berühmte Glashaus von Philip Johnson (sowie seine anderen Bauten auf seinem Grundstück, ein Gästehaus, eine Galerie u.a) in New Canaan kann endlich besucht werden.

Angeheizter Kreislauf: Künstler vertrieben

[Kultur]
Der ewige Kreislauf, wonach Künstler auf der Suche nach bezahlbaren Ateliers und Wohnungen in ein heruntergekommenes Quartier ziehen, es durch ihre Anwesenheit attraktiv erscheinen lassen, nur um Investoren anzuziehen, die sie über kurz oder lang vertreiben, scheint in New York gerade wieder auf Hochtouren zu laufen. Denkt man an die Entwicklung von Soho oder Chelsea, wo es doch ein paar Jahrzehnte dauerte, bis die Künstler das aufgewertete Quartier wieder verliessen, um nach neuen Nachbarschaften Ausschau zu hlaten, scheint es jetzt nur ein paar Gnadenjahre zu gehen. Dumbo ist das letzte Beispiel eines Quartiers, das lange Zeit zwar nahe gelegen, aber ebenso unwirtlich war, dass Künstler sich dort ausbreiten konnten, solange es ihnen egal war, dass kein Bus dorthin fuhr, kein Taxi und keine Müllabfuhr. Jetzt reiht sich Einrichtungsgeschäft an Luxus-Supermarkt, an Hunde-Accessoire-Geschäft.

Neuestens wird Gowanus dran glauben müssen. Die zwischen attraktiven Wohnquartieren wie Carroll Gardens und Park Slope gelegene Gegend stellte für Künstler das attraktive Niemandsland dar: Autoreparaturwerkstätte und Alteisendepots entlang eines stinkenden Kanals. Künstler liessen sich schon lange in den Lagerhäusern entlang des Kanals nieder und blieben lange unverschont, weil anders als Dumbo oder Williamsburg, keine schöne Aussicht auf die Skyline Manhattans oder sonstige als pittoresk interpretierbare Attribute vorhanden waren. Im Gegenteil: die Gegend galt als gefährlich genug, dass umliegende Restaurants keine Lieferanten dorthin schickten, aus Angst, sie könnten ausgeraubt werden. Kennern der Gegend (und des Kanalgeruchs!) machten deswegen die Vorstellungen gewisser Spekulanten, dort eine Art Venedig zu bauen, bisher wenig Eindruck. Doch jetzt scheint es ernst zu werden: Das städtische Bauamt bittet um Vorschläge für eine Gemischtnutzung der Gegend. Immerhin sieht das Amt vor, dass 50% der ca. 400 dort erwünschten Wohnungen für Bewohner mit niedrigen Einkommen reserviert werden sollen.

Summer of Love: 1967

[Kultur]
Diesen Sommer zeigt das Whitney die trend- und touristengerechte Ausstellung "Summer of Love", die vom Sommer 1967 handelt. In der von Whitney-Kurator Christoph Grunenberg kurartierte Ausstellung, die bereits 2005 im Tate Liverpool zu sehen war, sind typisch psychedelische Zeichnungen, Bilder und Langspielplattenumschläge zu sehen. Auch kaleidoskopische Effekte und bewegte Bilder, z.B. von langsam ineinander fliessenden Farben, sind zu sehen, die im Zeitalter der digitalen Bildmanipulation und steten Reizüberflutung direkt niedlich antiquiert wirken. An der Ausstellung sind viele Sachen wieder-zu entdecken, die man schon mal gesehen hat, aber auch einige Überraschungen zu finden. Wussten Sie z.B., dass Jimmy Hendrix auch malte?


Schade ist, dass sich die Ausstellung hauptsächlich auf die Aethetik der Zeit konzentriert, wie sie auch in der Werbung und der Mode der letzten 20 Jahre x-fach nachgeahmt - oder man könnte 68er-politisch auch sagen - vereinnahmt und damit entkräftet wurde. Verloren geht dabei die tiefere Bedeutung der Aufbruchstimmung der Nachkriegsgeneration: Es ging nicht nur darum, LSD-Trips zu nehmen, nette Lieder zu singen und sich Blumen auf die Wangen zu malen (oder möglichst viel Sex zu haben). Die damals propagierte sexuelle Freiheit war eine Befreiung von Tabus und Verklemmtheiten, die in den 50er Jahren noch volle Gültigkeit hatten und heute kaum mehr vorstellbar sind. Drogen nehmen bedeutete auch, eine neue Wahrnehmung und damit eine neue Bedeutung der alltäglichen Umwelt zu suchen und die gesellschaftlichen Regeln, sowie die Authoritäten, die über ihre Einhaltung wachen und die ökonomischen Machtverhältnisse in Frage zu stellen. Die aus heutiger Sicht - gerade in der Werbung, aber auch in Musicals u.ä. - oft verniedlichte Revolution war ein kollektives Suchen nach neuen Wegen, eine Zeit grosser Experimentierfreudigkeit, aber auch von grundsätzlicher Desorientierung und Konfusion, die nicht wenige mit ihrem Leben bezahlt haben.

Die Zukunft Coney Islands:

[Architektur]
Es war nur eine Frage der Zeit, bis die New Yorker merken, dass sie sich mit ihrer schnöden Hochnässigkeit den nicht gerade noblen Quartieren Sheepshead Bay und Coney Island gegenüber, um beste die Strandlage innerhalb der Stadtgrenzen (und somit mit der Subway erreichbar) bringen. Warum sollen Wohnungen mit Aussicht auf den Atlantik auch nur russischen Immigranten vorbehalten bleiben? (Das Quartier heisst inoffiziell auch "Little Odessa").

Jetzt scheint es also soweit: der nicht zu bremsende Boom für Eigentumswohnungsbauten in New York ergreift Coney Island. Und zwar hat der Spekulant Joseph J. Sitt, Gründer und CEO von Thor Equities, 120 Millionen Dollar investiert, um Land um und sogar unter den Vergnügungsfahrten aufzukaufen. Ursprünglich wollte er unter anderem dort einen 40stöckigen Wohnturm dort bauen sowie weitere Hunderte von Miet- und Eigentumswohnungen. Doch zuviele Anwohner und Schaubuden-Besitzer fürchteten, dass das das Ende von Coney Island bedeuten würde. Denn wer will schon eine Luxus-Eigentumswohnung neben dem Gekreische eines Amusement Parks kaufen? Die Wohnungen wurden unterdessen in Time Shares, d.h. Zweitwohnungen umgewandelt, was die Gegner nicht gross beruhigt. Zwar räumen einige Schaubudenbesitzer und Betreiber von Vergnügungsfahrten ein, dass Coney Island sich zu einem Ganzjahresbetrieb entwickeln müsse, soll es eine Überlebenschance haben. Doch die Designs von Sitts Firma sähen bisher eher wie ein Shopping Mall mit Amusement-Park-Thema aus, sagen Kritiker. Die für die Projekte nötige Umzonung ist noch nicht über die Bühne und wird noch viele Debatten auslösen. Gewisse Teile, wie die Achterbahn "Cyclone", stehen unter Denkmalschutz. Der Park "Astroland", auf dem die Achterbahn seit den 20er Jahren steht, wird aber im September geschlossen. Website Thor
Coney Island Website

Open-Air:

[Kultur]
Es wurde dieses Jahr in New York erst spät heiss, aber das feuchtheisse Wetter ist nun also da; mit Temperaturen um 100 Grad Fahrenheit (über 35-40 C). Zudem ists sehr feucht (über 60%). Da man ohne Airconditioner jeweils hauptamtlich damit beschäftigt ist, nicht zusammenzuklappen, freunden sich auch umweltbewusste Westeuropäer früher oder später damit an. Die New Yorker, die es sich leisten können, fahren im Juli und August an den Wochenenden jeweils in die Sommerfrische in die Hamptons, Upstate New York, an die Jersey Shore (der Strand heisst in New Jersey "Shore") oder in die Poconos. Da mit den teuren Preisen für Miet- und Eigentumswohnungen fast nur noch solche Leute in Manhattan wohnen, (schliesslich können sie schon vier-, fünf- oder 6000 $ für ihre Wohnungen bezahlen), ist Manhattan am Wochenende praktisch leer. Für die Dagebliebenen gibt es die Möglichkeit, spontan ohne Reservation in Restaurants Essen zu gehen, die sonst 3 Wochen im Voraus reserviert werden müssen, oder in Bars in Ruhe einen Drink zu geniessen, wo sich sonst jeweils kreischende College-Stundentinnen betrinken. Freude bereiten auch die vielen Open-Air Events, die New York im Sommer zu bieten hat. Am berühmtesten ist wohl die Konzertreihe Summerstage im Central Park, die unzählige Konzerte verschiedenster Musikstils organisiert (von der Verdi-Oper, bis zu Hip-Hop aus Brasilien und Doo-Wop Acapella-Gruppen)... Eine Konzertserie zeigt auch das Moma in seinem neuen, dem alten aber nicht unähnlichen Sculpture Garden. Die Wahl der Musik ist dort etwas ausgesuchter, Neue Musik oder Jazz. Konzerte finden auch im Castle Clinton im Battery Park, im MetroTech Park in Brooklyn, im Park des Lincoln Centers, im kleinen Yachthafen beim World Financial Center und an vielen anderen Orten statt. Open-Air Filme werden dafür im Bryant Park gezeigt. Am besten orientiert man sich in einem Veranstaltungskalender wie TimeOut über die genauen Zeiten und Bedingungen (bei einigen Gratiskonzerten muss man z.B. im Voraus Tickets abholen gehen, obwohl man dafür nichts bezahlen muss).