Armory, Scope, Bridge, Pool, Pulse, Pool, Volta, Diva

[Kunst]
In New York fand dieses Wochenende die Armory Fair statt. Die früher gut, aber nur von der Kunstszene besuchte Messe, ist inzwischen nicht nur gross gewachsen, sondern sie hat über die Jahre alle möglichen "alternativen" Kunstmessen angezogen, die Scope, Bridge, Pool, Pulse, Pool, Volta, Diva, LA Art angezogen. Insgesamt waren es neun (9) Messen, irgendwelche Untergrundaktionen nicht mitgezählt. Bis auf eine Messe, sind dies keine kuratierten Ausstellungen, sondern mehr oder weniger ordentliche Ansammlungen von ca. 60 Galerien, die je wiederum 6-10 Künstler ausstellen, was über den Daumen geschlagen 9x60x10 ca. 5400 Exponate wären. Wahrscheinlich sind es viel mehr. Auf jeden Fall wirkt es schon nach dem Besuch nur einer Messe wie eine chaotische Ansammlung von Müsterchen, dass einem schwindlig wird davon, noch bevor man den ersten Champagner gekippt hat, der überall serviert wird.
Die Kunstkritikerin der New York Times, Roberta Smith, hat dazu einen schönen Artikel geschrieben, in dem sie sagt, es handle sich um eine Messe von Kunstmessen und Leute, die alle Messen zurücklegen sollten eine Medaille kriegen.

Impressionen von der Armory Show





Ostern in New York (Easter Parade)

[Sonstiges]
Stellt sich heraus, dass in New York Ostern doch ein grösserer Feiertag ist als vermutet. Einige Geschäfte sind geschlossen, das ist sonst nur noch am Weihnachtstag und an Thanksgiving der Fall. Zeit für einen Vorfrühlings-Spaziergang, beispielsweise am Long Island Sound.....




Eine ganz andere Szene ist bei der jährlichen Easter Parade zu erleben, wo um die Wette Phantasie-Hüte vorgeführt werden...
5th Avenue Easter Parade

Spitzer-Soap Opera /Decknamen

[Sonstiges]
Die Eliot Spitzer Soap Opera wurde auch am Dienstag und Mittwoch bis zum letzten Körnchen ausgeschlachtet. Wir wissen jetzt alle, dass Spitzer beim Sex mit "Kristen" kein Condom überstülpen wollte und dass "Kristen" im Telefongespräch mit der "Madame" sagte, sie wisse wie damit umgehen. Ebenso ist inzwischen bekannt geworden, dass "Kristen" in Wirklichkeit Ashley heisst. Als Ashley Youmans aufgewachsen, zog sie mit 17 aus einer "zerrütteten Familie" in New Jersey aus, um sich in New Yorker Nachtklubs als R&B Sängerin zu versuchen. Sie hat seither offiziell den Nachnamen ihres Stiefvaters "DiPietro" angenommen, nennt sich aber auch Ashley Alexandra Dupré. Eliot Spitzer's Deckname war dagegen "Client No. 9" (nicht Love Potion No.9), worüber bereits endlos Witze gerissen wurde, nicht zuletzt, weil es wie der Name eines Parfums klingt. Im Hotel registriert war er aber als George Fox, womit er nicht etwa einen Namen erfunden hat, sondern den eines Freundes verwendet (das ist wiederum eher unsympathisch)

Die Website des Call-Girl Services "Emperor's Club VIP", die in den Nachrichten unzählige Male gezeigt wurde, wurde bereits ausgeschaltet. Nebst rechtlichen Gründen ist auch zu vermuten, dass sie komplett überlastet war. Dafür hat es der "Emperor's Club VIP" bereits zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft! Hut ab! (Oder müsste man in diesem Zusammenhang "Tangahöschen" sagen?)

Auf eine Foto-Tour der bereits ausgeschalteten Call-Girl-Website führt die Website digitalalchemy

New York Gouvernör Eliot Spitzers Abstieg

[Sonstiges]
Mittlerweile ist der Sex-Skandal von NY-Gouvernör Eliot Spitzer wohl weltweit bekannt. Aus europäischer Sicht, wirken die todernsten Kommentare über Spitzers aufgeflogenen Eskapaden mit Edelnutten des "Escort"-Service "Emperor's Club VIP" vermutlich eher absurd und ruft wohl bei vielen nur ein Kopfschütteln hervor. "Hochkarätiger Politiker mietet Call-Girls, what's new?. Ach, die Amis mit ihrer Prüderie!"

Es ist schon unglaublich, dass solch hochintelligente Politiker wie Bill Clinton und jetzt Spitzer an ihren Sex-kapaden zu Grunde gehen, während am anderen Ende des politischen Spektrums eine ganze Bande durch gezielte Dis-information einen Krieg vom Stapel reissen konnte, der bereits hunderttausende Menschenleben gefordert hat und dafür nicht mehr einbüsst als ihre Beliebtheit. Das Problem ist, dass Prostitution in Amerika illegal ist und es sich Spitzer als ehemaliger gnadenloser Staatsanwalt keinerlei illegale Tätigkeit leisten kann. Er hätte gescheiter eine (legale) Affäre angefangen (- aber auf keinen Fall mit einer Mitarbeiterin!)!

Trotzdem wirken die ernsthaften, moralischen Kommentare etlicher anderer Politiker etwas ätzend. Der Fall wurde auch von Anfang an dramatisiert. "Spitzer linked to prostitution ring" hiessen die Schlagzeilen überall, was eher eine Mitbeteiligung als Mädchenhändler oder Zuhälter denn als Freier nahelegte. Der Komiker Jon Stewart machte sich in seiner "Daily Show" darüber lustig, indem er einen seiner "Korrespondenten" verkünden liess, der einzige "Link", Spitzers sei sein Penis. Haha. Am lustigsten ist bisher Maureen Dowd's Kolumne in der New York Times. Sie bringt das ganze auf eine verdaulichere Ebene und fragt statt nach der Ethik und Moral des Gouvernörs, nach seinem Umgang mit dem Geld: Spitzer, der von Haus aus vermögend ist, bezahlte für die Call Girls 4300 Dollar die Stunde. Lassen sich auf Craigslist keine günstigeren Hook-Ups mit Prostituierten finden?" fragt Dowd. Und "war er mit den Steuergeldern vielleicht ebenso verschwenderisch?" Sie macht sich auch lustig über den angeblichen Edel-Service, bei dem man für 1000$ Jane für eine Stunde haben kann oder Kirsten für 5000$. Es bestehe kein Anlass, anzunehmen, dass es sich bei Jane und Kirsten nicht um dieselbe Person handle, schreibt sie, es sei ja nicht so, dass verschiedene Kunden ihre Rechnungen untereinander vergleichen würden....

Die Ironie des Schicksals ist, dass Spitzers Sex-kapaden wegen verdächtigen Bankbewegungen und deren Vertuschungsversuchen ans Licht kamen. Vermutet wurde zuerst, dass es sich dabei um bei Politikern eher erwarteten Bestechungsgelder handeln würde. Nein, rein private Unterhaltung! Ausgerechnet er, der als Staatsanwalt so manchen Insidertrader und Geldwäscher hat auffliegen lassen! Deshalb haben an der Wall Street nicht wenige der Schadenfreude gefrönt. Als Staatsanwalt hat er sogar genau solche Prostitutionsringe verfolgt, nicht zuletzt, weil die oft auch mit anderen illegalen Geschäften wie Drogenhandel verbunden sind. Es gehört wohl bei solchen Persönlichkeiten nicht selten etwas Grössenwahn dazu, auf Grund dessen sie glauben, sie seien unverletztlich. Bis jetzt wurden Vermutungen, dass politische Motive hinter der anfänglichen Untersuchung steckten, nicht erhärtet. Da Spitzer aber in manchen Kreisen alles andere als beliebt war, sind sie sicher nicht auszuschliessen. Entsprechende Verschwörungstheorien werden auf Blogs bereits herumgereicht.

Moma-Design-Ausstellung: Design and the elastic Mind

[Design]
Die Moma-Ausstellung ist superinteressant, aber es ist eine Ausstellung, für die man sich Zeit nehmen muss und die einzelnen ausgestellten "Arbeiten" richtig studieren muss, will man die Essenz mitbekommen. Ein spannender Aspekt ist die Schnittstelle Mensch/Technik, bzw. Natur/Technik, die weniger als Gegensatz, sondern als Synthese aufgefasst wird. So wird (vom Schwedischen Team Front Design) mit Hilfe neuester Technik, z.B. dreidimensionalem "Printen" etwa möglich, einen in die Luft gezeichneten Stuhl "auszudrucken", d.h. er wird dank Lasertechnik und einer dafür geeigneten weissen Plastikmasse unmittelbar hergestellt. Ein weiteres Beispiel ist ein Stuhl von Joris Laarsman, der menschliche Gelenke zur Grundlage nimmt. Ein weiteres sinnliches Exemplar ist eine Vase, die Thomas Gabzdil Libertiny aus Bienenwaben mit Hilfe von 40 000 Bienen hergestellt hat.

Whitney Biennale

[Kunst]
Die diesjährige Whitney Biennial fällt etwas kleiner aus (d.h. zählt weniger Künstler) als andere Jahre. Das macht sie aber eher überschaubarer (und geniessbarer). Wie meistens, ist bei einer grossen Überblicks-Ausstellung sowohl Interessanteres und weniger spannendes zu sehen. Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt bei Installationen und Performances. Im Whitney empfiehlt es sich zu oberst, d.h. im 4. Stock zu beginnen, obwohl keine offizielle Richtung vorgesehen ist. In der Park Avenue Armory befinden sich weniger Installationen, die z.T. von den historisch interessanten und entsprechend geschmückten Sälen übertrumpft werden. Die Armory wird wohl vor allem auch als Performance-Stätte eine Rolle spielen, so findet darin auch ein Tanzmarathon statt und wird an gewissen Abenden eine vom Künstler Eduardo Sarabia eingerichtete Bar selbst gemachten Tequila servieren. Witzig ist der weisse Kubus, in dem sich eine von Bert Rodriguez eingerichtete Praxis befindet, in der er Therapiesitzungen abhalten wird. Am eindrücklichsten ist der grosse Saal der Armory.

Der Therapieraum von Bert Rodriguez in der Park Avenue Armory