Les parapluis du West Broadway

[Architektur]

Der Sommer soll Morgen richtig beginnen. Bisher war es für einen New Yorker Sommer ungewöhnlich kühl und regnerisch. Obwohl ich die heissen Sommer hier gern mag, habe ich die Wartezeit genossen, denn wenn es mal so richtig heiss wird, ist man zu einen grossen Teil der Zeit damit beschäftigt, erträgliche Bedingungen zu schaffen, um die Hitze auszuhalten.

Als New Yorker Vorsommer Stimmungsbild: eine Gruppe Kinder mit farbigen Regenschirmen unterwegs am Westbroadway unterhalb Chambers Street.

 

 

Endlich!!! Die Highline ist begehbar und sie ist phantastisch!

[Architektur]

Das in diesem Blog seit viereinalb Jahren besungene Projekt (genau: 9 x, man gebe unter "Suchen" Highline ein) des Highline Parks von Field Operations und Diller Scofidio + Renfro ist endlich eröffnet worden und es ist schlicht wunderbar! Der Park auf der alten Güterbahnlinie ist ein Kunstwerk der Landschafts-Architektur. In den immer wieder an- und absetzenden Übergängen zwischen Gestein und Pflanzen ergeben sich interessante und abwechslungsreiche Muster, die sowohl an die zuvor vergammelte und wild überwucherte Bahnlinie erinnern, wie auch Assoziationen an den Rhythmus des Zugfahren selbst hervorrufen (Stücke der Geleise wurden zurückgelassen).


Ein Highlight des Parks ist, dass man sich auf ca. 11 Metern über dem Strassenniveau bewegt und damit eine neue Perspektive auf bereits aus anderen Winkeln  bekannte Aussichten erlernt. Zugleich ist man aber auch nahe genug zur Strassenebene, dass man die Präsenz der Passanten noch als unmittelbar  empfindet, zumal man sich gegenseitig sehr gut sehen kann.  Andere Highlights sind neben der Architektur des Parks selber die Architektur der Neubauten, die dieses Projekt angezogen hat, so z.B. je ein Gebäude von Frank O. Gehry wie eines von Jean Nouvel (gleich nebeneinander). Mich macht Architektur selten so unmittelbar glücklich und ich könnte noch viele Zeilen lang weiter schwärmen. Doch am besten ist, man kann die Highline persönlich erleben. 
Für weitere Informationen Friends of the High Line

 

 

 

 

 

 

 


Photos Therese Balduzzi©

Unglück im Unglück: Frank Gehrys Atlantic Yards

[Architektur]

Offenbar steht es um die Grossüberbauung Atlantic Yards in Brooklyn noch schlimmer: Anscheinend besteht die Gefahr, dass statt der Gehry-Projekte, scheussliche generische Nutzbauten hingestellt werden könnten. Jedenfalls erklärt dies der New York Times Architekturkritiker , Nicholas Oursouff. Es sei in New York oft so, dass ein potenter Projektentwickler sich von der Stadtregierung alle möglichen Steuergeschenke, Ausnahmen der Bauverordnung  und ähnliche Konzessionen erkämpfe, nur um kurz darauf die schlimme Finanzlage (die bei solch riesigen Projekten, die Jahrzehnte dauern, zwansläufig irgendwann auftaucht) geltend zu machen, wegen der am Budget gespart werden müsse. Das schlimmste dabei ist, dass jeweils die Pläne der ambitionierten Architekten irgendwelchen Fliessbandmodellen weichen müssen (womit implizit gute Architektur als frivoler Luxus deklariert wird). Offenbar sind die Bewilligungen nicht streng an die spezifischen Entwürfe geknüpft, bzw. lassen sie genug Spielraum für solche Taktiken. Laut Ouroussoff ist das in New York ein alter Trick.

 Im ursprünglichen Gehry-Projekt ist die Sportarena kunstvoll von unterschiedlichen Türmen umgeben. Im neuen Entwurf (vgl. NYTimes.com) sieht sie aus wie eine gigantische Scheune.

 

Glück im Unglück, Nebeneffekte der Krise

[Architektur]
Um die bereits mehrmals (26.11.07, 2.5.08, 18.12.08) erwähnte umstrittene Grossüberbauung „Atlantic Yards“ von Frank O. Gehry in Brooklyn steht es momentan nicht besonders gut. Zwar sind bisher all Gegner des Projekts mit ihren Gerichtsklagen abgeblitzt. Doch mittlerweile ist die Finanzierung wegen der Wirtschaftskrise alles andere als sicher. Um die vorgesehenen Steuergeschenke (dreistellige Millionensummen) zu erhalten, müsste der Developer, die Firma Forest City Ratner vor Ende Jahr mit dem Bau beginnen können. Doch abgesehen von der erschwerten Finanzierung wird das Projekt auch noch weitere Verzögerungen durch die diversen Gerichtsklagen erfahren. Denn obwohl die Kläger bisher allesamt verloren haben, haben sie noch nicht alle Rekursmöglichkeiten ausgeschöpft. Da der Zeitfaktor eine grosse Rolle spielt, erhoffen sie sich davon, das Projekt mit mehrmaligem Aufschub bodigen zu können. Das Herzstück des 4-Milliarden-Projekts würde ein Stadion für das Basketball Team Nets beinhalten, das der Firma Forest City Ratner gehört. Es könnt jetzt aber sein, dass ein paar hartnäckige Brooklyn-Bewohner, darunter der mittlerweile prominente Daniel Goldstein, einem Grafiker, der als einziger Bewohner in einer Liegenschaft wohnt, die dem Stadion zum Opfer fallen sollte, mit reiner Zeitverzögerung das Vorhaben vereiteln könnten.