Back to School: Letzte Sommerwoche

[Sonstiges]

Nach dem Labor Day nächsten Montag ist wieder Schulbeginn und wird der Sommer in New York offiziell zu Ende gehen. Dieses Jahr ist die Einteilung durch den Kalender umso wichtiger, zumal von einem Sommer wenig zu merken war und es mindestens bezüglich Temperatur schon fest herbstelt. Apropos Kalender: Wie jedes Jahr werden sämtliche Museen, Galerien, Modeboutiquen und andere Organisationen den Auftakt der Herbstsaison in der gleichen Woche zelebrieren, so dass man die Agenda pro Zeitfenster jeweils fünfreihig Anlässe markieren könnte…..

Vogue-Doku: The September Issue

[Kultur]

Der lang erwartete Dokumentarfilm über die Vogue-Redaktorin Anna Wintour, „The September Issue“, lief in New York am Freitag an. Er ist ganz amüsant zu schauen, aber im Prinzip recht harmlos und nicht sehr lehrreich. Man erfährt nicht viel Neues und es werden leider auch kaum pikante Details verraten. Die „Nuclear Wintour“ wird so eisig gezeigt wie sie anscheinend ist, z.B. wenn sie mit riesigem Aufwand und Einsatz ihrer Untergebenen (passt hier besser als „Mitarbeiter“) hergestellte Modefoto-Geschichten mit einem affektierten Einzeiler aburteilt. Man sieht, wie alle Vogue-Angestellten bibbern vor ihrem Verdikt und sich kaum getrauen, eine eigene Meinung zu haben. Wintour zeigt auch keinerlei Interesse an anderen Standpunkten zu haben. Warum ihr jedoch soviel Autorität zukommt, wird im Film nicht untersucht oder erklärt. Es heisst nur einmal, dass sie den Trend mit den Celebrities als Botschafter der Mode vorausgesehen hätte. (Man erinnert sich kaum an eine Zeit, in der Models die Titelseiten der Modezeitschriften schmückten, nicht Filmstars....).
Warum Wintour nicht nur bezüglich Vogue, sondern bezüglich der gesamten Modewelt soviel Macht besitzt und sowohl grossen Kleiderketten in Amerika wie Couture-Häusern in Paris sagt, wen sie als Designer anstellen sollen, erfährt man nicht. Überraschend ist einzig und allein die Creative Directorin, Grace Coddington, die ebenso lange wie Wintour bei Vogue arbeitet und sich als einzige getraut, Wintour die Stirn zu bieten. Sie ist der unerwartete Star des Films, weil sie offenbar das künstlerische Talent beisteuert, ohne welches es für Wintour gar keine Fotostories zu beurteilen gäbe. Man erlebt mit, wie Coddington – offiziell scheints als beste Stylistin der Welt betitelt - eine Story nach der anderen produziert, die Wintour aus irgendwelchen Gründen wieder herausnimmt und wie Coddington diese Niederlagen elegant wegsteckt.
Über Anna selber erfährt man wenig, ausser, dass sie - wenig überraschend - selber auch ihre Unsicherheiten verbirgt, zumal sie davon ausgeht, dass ihre in der britischen Gesellschaft gut etablierte und beruflich ambitionierte Familie Wintours Tätigkeit bestenfalls „amüsant“ findet. Eine weiche, menschliche Seite verrät nur eine Szene mit ihrer Tochter Bee. Diese und ihr Sohn scheinen als einzige die Fähigkeit zu besitzen, die Wintour zu entwaffnen.

 Anna Wintour wie sie an den Modeschauen jeweils zu sehen ist: mit Sonnenbrille und Helmfrisur bewaffnet.

 

Anna Wintour ausnahmsweise in Schwarz. Links von ihr Grace Coddington

Bilder: Courtesy of Roadside Attractions

Frohmutige Krebspatienten: Zum Tod von Ted Kennedy

[Kultur]
Nachdem Ted Kennedy vor mehr als einem Jahr nach einem epileptischen Anfall mit einem Hirntumor diagnostiziert worden war, wurde er beim Austritt  aus dem Spital mit erhobenen Daumen fotografiert und kurz darauf beim Segeln gezeigt. Jetzt ist er tot. Er hatte im Vergleich zu anderen immerhin noch über ein Jahr Zeit, sich um sein materielles und immaterielles Vermächtnis zu kümmern. Andere öffentliche Krebskranke, die trotz negativer Aussichten ihre Tapferkeit unter Beweis gestellt haben und unterdessen verstorben sind, waren Tony Snow, Pressesprecher von George W. Bush und Farah Fawcett.
Warum der Zwang, sich so positiv zu geben, wenn die Prognosen dagegen sprechen? Wieso wird Krebskranken eine heldenhafte Haltung abverlangt, die man von Opfern eines schweren Verkehrsunfalls oder einer schlimmen Herzkrankheit kaum erwarten würde?
Ich bin nicht die erste, die diese Fragen stellt. Nach Ted Kennedys Diagnose erschien darüber ein Artikel in der New York Times (“When Thumbs Up Is No Comfort”, von Jan Hoffman, 1.Juni 2008). Darin wurde ein Arzt zitiert, der sagte, wenn Kennedy den Mittelfinger hätte heben wollen statt des Daumens, hätte dies der Situation besser entsprochen.
Die Rolle, die eine positive Einstellung in der Krebsbekämpfung spielt, ist unter Experten umstritten. Sicherlich kann sie beim Durchstehen unangenehmer Behandlungen und bei schwierigen Entscheidungen hilfreich sein. Doch die Fähigkeit mit der „richtigen Einstellung“ den Krankheitsverlauf direkt beeinflussen zu können, wird massiv überbewertet. Ich unterstelle dem vermeintlichen (Aber-)Glauben auch die Funktion einer einfachen Lösung für diejenigen, die sich mit dem Unglück eines Mitmenschen nicht auseinandersetzen wollen. Es kann sich auch negativ auswirken, wenn Kranke innerhalb dieser Kriegsmetaphern (ja, ich habe Susan Sontags Krankheit als Metapher damals auch gelesen, irgendwann vor 25 Jahren, d.h. gleich nach dem Kindergarten) keine Möglichkeit sehen, ihre Gefühle der Angst, Hoffnungslosigkeit, oder Verzweiflung mitzuteilen, ohne verächtlich schwach zu wirken und damit allein gelassen werden, wenn sie die Unterstützung ihrer Nächsten am meisten brauchen könnten.

Sonnenaufgang über dem Long Island Sound:

[Sonstiges]

Eure NY-Bloggerin ist neuerdings Frühaufsteherin:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonnenaufgang, Regenbogen, etc. = Sommer

[Sonstiges]

Mtte August ist in New York endlich auch das seit Monaten erwartete Sommerwetter eingetroffen. Unglaublich! Zuvor waren Juni und Juli nicht nur so regenreich wie noch nie, sondern auch viel zu kühl. Normalerweise kann es durchaus bereits im Juni dauerhaft über 30 C sein und bis Mitte September dabei bleiben. Dieses Jahr waren zum saisonalen Strandspaziergang Hosen und Jacke durchaus angenehm. Einen grossen Vorteil hat der kühlere Sommer jedoch: man ist nur selten auf die Klimaanlage angewiesen und fühlt sich sonst mit offenen Fenstern überaus wohl und sieht öfters Regenbogen (vgl. Bild)

 Regenbogen

Sonnenaufgang