Zum Davonlaufen: Zierkohl
Eine der weniger wichtigen Nebenerscheinungen des Winters sind die wetterfesten Begrünungen von Gärten: Nebst immergrünen Büschen, feiert da jeweils der Zierkohl ein vielfaches Stelldichein. Obwohl ich die rein visuellen Vorzüge gewisser Gemüsesorten im Kontext des Kochens und Essens sehr zu schätzen weiss, ist mir das Gemüse als Blumenersatz ein Greuel. Zierkürbisse in einer Schale können von mir aus noch gehen, aber vom violett-grünen Zierkohl in den Blumenbeeten im Winter bin ich gar nicht begeistert. Statt dass man sich einfach damit abfindet, dass jetzt ein paar Monate lang keine Blumen wachsen und die Aufmerksamkeit stillschweigend auf Anderes richtet, meldet jeder einzelne Zierkohl laut und grell: "Es ist Winter. Es wachsen keine Blumen! Ich sitze jetzt als zweitrangige Alternative hier, bis wieder Blumen blühen können." Ganz besonders angetan haben es mir halb verrottete/verwelkte Exemplare dieser Unpflanze.
Das Bild dieser Zierkohlköpfe bei der Einfahrt zu einer Gartenfirma, zwischen Maschendraht-Gartenzaun und parkierten Autos, drückt die Trostlosigkeit aus, die ich beim Anblick des Gewächs spüre, ziemlich treffend aus.
An der 85. Strasse zwischen Park und Madison Avenues sind Zierkohlköpfe um Bäume herum im Einsatz.
In eigener Sache: Balduzzi-Guzzis
Da es dem Printmedienbusiness in der Schweiz (und hier sämtlichen Branchen) bekanntlich nicht so toll geht zur Zeit, habe ich schon verschiedene andere Verdienstmöglichkeiten in Betracht gezogen. Meine neuste Unternehmung sind Schweizer Weihnachtsguetsli, die ich auf Bestellung, sowie im Café Select in Soho verkaufe. Wie lukrativ das ist, ist noch unklar. Aber es hat mir bisher viel Spass bereitet, verschiedene Rezepte auszuprobieren und abzuwandeln, die Verpackung zu gestalten und das Label. Weil mich in New York die Mehrzahl der Leute Balducci nennen statt Balduzzi, weil Balducci's eine grosse Delikatessenkette ist hier, heissen die Guetlis jetzt "Balduzzi's". Für das Design des Labels half mir die Künstlerin Eveline Feldmann.
Guetsli-Förmchen

Dia Center wieder in Chelsea
Die Odyssee der Dia Foundation scheint ein Ende zu nehmen: Im November verkündete die Stiftung, dass sie auf einem Gelände in Chelsea, das der Stiftung gehört, ein neues Museum erbauen werde. Genau genommen handelt es sich um eine ehemalige Garage gegenüber des einstigen Museums der Dia Foundation. Vor über 5 Jahren schloss das Dia Center for the Arts sein Museum in Chelsea, um es umzubauen. Bald wurde vom Vorstand aber beschlossen, dass eine Renovation des bestehenden Gebäudes zu teuer zu stehen kommen und die Bedürfnisse doch nicht decken würde. Das ehemalige Gebäude hatte unter anderem nur einen kleinen, engen Lift und ein schmales Treppenhaus. Während 5 Jahren zog das Dia Center alle möglichen Gegenden in Manhattan in Betracht, konnte sich aber nie ganz entscheiden. Am prominentesten war der Plan, am Südende des neu eröffneten Highline Parks in Chelsea einen Neubau aufzustellen.
Am unentschlossen wirkenden Vorgehen sind abgesehen von der Wirtschaftskrise vor allem auch ein häufiger Wechsel in der Führung des Museums schuld. Der Entschluss, in Chelsea zu bleiben, bzw. nach Chelsea zurückzukehren, wurde vom neusten Präsidenten der Stiftung, Philippe Vergne, gefasst. Im Unterschied zu anderen Museen sieht das Dia aber kein extravagantes Projekt eines berühmten Architekten vor, sonder einen funktionalen Bau, sagt Vergne.
Das Dia Center verfügt über zahlreiche feste Installationen. In New York etwa unterhält es Walter De Marias Earth Room und der "Broken Kilometer" in SoHo, sowie das Museum in Beacon, New York.



