|  2009-10-12
Von Thérèse Balduzzi @ 18:21 Das Thema der Krebskranken, die sich dank einer weit verbreiteten vulgärpsychologischen Haltung unter Druck gesetzt fühlen, ihrer Krankheit mit einer heldenhaft positiven Haltung zu begegnen, scheint viele zu beschäftigen. Dies ging einerseits aus persönlichen Gesprächen seit meinem Beitrag zum Anlass von Ted Kennedys Todes (weiter unten, 31.8.) hervor. Zudem hat Barbara Ehrenreich gerade ein Buch geschrieben, „Bright-sided“, das mit dem (Aber-)Glauben an die Kraft des positiven Denkens abrechnet. Ehrenreich ist Autorin vieler gesellschaftskritischer Bücher zu aktuellen Themen, z.B. auch von „Nickel and Dimed“, in dem sie von ihrem Versuch, während eines Jahres von Jobs mit Mindestlohn (in Amerika) zu überleben und vom Schicksal anderer Frauen, die sie dabei kennenlernt, erzählt. Ehrenreich hatte auch Brustkrebs und hat über die damit zusammenhängenden Erlebnisse geschrieben, u.a. über den irrationalen Glauben an die Wirkung einer positiven Einstellung, die im Grunde suggeriert, wer den Kampf gegen den Krebs verliere, habe irgendwie versagt... In „Bright-Sided“ weist sie diesen Glauben auch in Bezug auf andere (schwierige) Lebenssituationen nach: beispielsweise in der Reaktion vieler gegenüber Langzeit-Arbeitslosen, die partout einfach keine Stelle finden. Statt diese als die Opfer einer statistisch nachweisbaren Verschlechterung des Stellenangebots zu sehen, taucht dabei die unausgesprochene Vermutung auf, sie würden es nicht genug wollen oder würden sich sonst irgendwie falsch anstellen. Dies erlaubt nicht nur dem Einzelnen, die Gefahr selber arbeitslos zu werden zu verdrängen, sondern wirkt auf einer breiteren Ebene „entpolitisierend“: Statt die Gründe in der Struktur von Gesellschaft und Wirtschaft zu suchen, wird die Verantwortung den Betroffenen in die Schuhe geschoben. Für Ehrenreich hört es aber nicht damit auf. Die Autorin macht diesen in jedem zweiten Hollywoodfilm vorgebeteten Glauben, wenn man fest genug an etwas glaube, liesse es sich auch verwirklichen, nicht zuletzt für die unvernünftigen Finanzspielchen verantwortlich, die zur gegenwärtigen Krise führten.
2009-08-31
Von Thérèse Balduzzi @ 14:59 Der lang erwartete Dokumentarfilm über die Vogue-Redaktorin Anna Wintour, „The September Issue“, lief in New York am Freitag an. Er ist ganz amüsant zu schauen, aber im Prinzip recht harmlos und nicht sehr lehrreich. Man erfährt nicht viel Neues und es werden leider auch kaum pikante Details verraten. Die „Nuclear Wintour“ wird so eisig gezeigt wie sie anscheinend ist, z.B. wenn sie mit riesigem Aufwand und Einsatz ihrer Untergebenen (passt hier besser als „Mitarbeiter“) hergestellte Modefoto-Geschichten mit einem affektierten Einzeiler aburteilt. Man sieht, wie alle Vogue-Angestellten bibbern vor ihrem Verdikt und sich kaum getrauen, eine eigene Meinung zu haben. Wintour zeigt auch keinerlei Interesse an anderen Standpunkten zu haben. Warum ihr jedoch soviel Autorität zukommt, wird im Film nicht untersucht oder erklärt. Es heisst nur einmal, dass sie den Trend mit den Celebrities als Botschafter der Mode vorausgesehen hätte. (Man erinnert sich kaum an eine Zeit, in der Models die Titelseiten der Modezeitschriften schmückten, nicht Filmstars....).
Warum Wintour nicht nur bezüglich Vogue, sondern bezüglich der gesamten Modewelt soviel Macht besitzt und sowohl grossen Kleiderketten in Amerika wie Couture-Häusern in Paris sagt, wen sie als Designer anstellen sollen, erfährt man nicht. Überraschend ist einzig und allein die Creative Directorin, Grace Coddington, die ebenso lange wie Wintour bei Vogue arbeitet und sich als einzige getraut, Wintour die Stirn zu bieten. Sie ist der unerwartete Star des Films, weil sie offenbar das künstlerische Talent beisteuert, ohne welches es für Wintour gar keine Fotostories zu beurteilen gäbe. Man erlebt mit, wie Coddington – offiziell scheints als beste Stylistin der Welt betitelt - eine Story nach der anderen produziert, die Wintour aus irgendwelchen Gründen wieder herausnimmt und wie Coddington diese Niederlagen elegant wegsteckt.
Über Anna selber erfährt man wenig, ausser, dass sie - wenig überraschend - selber auch ihre Unsicherheiten verbirgt, zumal sie davon ausgeht, dass ihre in der britischen Gesellschaft gut etablierte und beruflich ambitionierte Familie Wintours Tätigkeit bestenfalls „amüsant“ findet. Eine weiche, menschliche Seite verrät nur eine Szene mit ihrer Tochter Bee. Diese und ihr Sohn scheinen als einzige die Fähigkeit zu besitzen, die Wintour zu entwaffnen.
Anna Wintour wie sie an den Modeschauen jeweils zu sehen ist: mit Sonnenbrille und Helmfrisur bewaffnet.

Anna Wintour ausnahmsweise in Schwarz. Links von ihr Grace Coddington
Bilder: Courtesy of Roadside Attractions
Von Thérèse Balduzzi @ 14:51 Nachdem Ted Kennedy vor mehr als einem Jahr nach einem epileptischen Anfall mit einem Hirntumor diagnostiziert worden war, wurde er beim Austritt aus dem Spital mit erhobenen Daumen fotografiert und kurz darauf beim Segeln gezeigt. Jetzt ist er tot. Er hatte im Vergleich zu anderen immerhin noch über ein Jahr Zeit, sich um sein materielles und immaterielles Vermächtnis zu kümmern. Andere öffentliche Krebskranke, die trotz negativer Aussichten ihre Tapferkeit unter Beweis gestellt haben und unterdessen verstorben sind, waren Tony Snow, Pressesprecher von George W. Bush und Farah Fawcett.
Warum der Zwang, sich so positiv zu geben, wenn die Prognosen dagegen sprechen? Wieso wird Krebskranken eine heldenhafte Haltung abverlangt, die man von Opfern eines schweren Verkehrsunfalls oder einer schlimmen Herzkrankheit kaum erwarten würde?
Ich bin nicht die erste, die diese Fragen stellt. Nach Ted Kennedys Diagnose erschien darüber ein Artikel in der New York Times (“When Thumbs Up Is No Comfort”, von Jan Hoffman, 1.Juni 2008). Darin wurde ein Arzt zitiert, der sagte, wenn Kennedy den Mittelfinger hätte heben wollen statt des Daumens, hätte dies der Situation besser entsprochen.
Die Rolle, die eine positive Einstellung in der Krebsbekämpfung spielt, ist unter Experten umstritten. Sicherlich kann sie beim Durchstehen unangenehmer Behandlungen und bei schwierigen Entscheidungen hilfreich sein. Doch die Fähigkeit mit der „richtigen Einstellung“ den Krankheitsverlauf direkt beeinflussen zu können, wird massiv überbewertet. Ich unterstelle dem vermeintlichen (Aber-)Glauben auch die Funktion einer einfachen Lösung für diejenigen, die sich mit dem Unglück eines Mitmenschen nicht auseinandersetzen wollen. Es kann sich auch negativ auswirken, wenn Kranke innerhalb dieser Kriegsmetaphern (ja, ich habe Susan Sontags Krankheit als Metapher damals auch gelesen, irgendwann vor 25 Jahren, d.h. gleich nach dem Kindergarten) keine Möglichkeit sehen, ihre Gefühle der Angst, Hoffnungslosigkeit, oder Verzweiflung mitzuteilen, ohne verächtlich schwach zu wirken und damit allein gelassen werden, wenn sie die Unterstützung ihrer Nächsten am meisten brauchen könnten. 2009-07-20
Von Thérèse Balduzzi @ 15:55 2009-07-18
Von Thérèse Balduzzi @ 21:14 Noch vor der Wirtschaftskrise, als an allen Ecken und Enden Manhattans Luxus-Wohntürme wie Pilze aus dem Boden schossen, vertrat ich die These (Typ „Partygespräch“), dass die Upper East Side mittlerweise viel typischer für Manhattan sei als alle anderen Neighborhoods, wie die Lower East Side, oder das Meatpacking District, die in den letzten Jahren drastische Veränderungen durchgemacht haben. In gewissen Gegenden ist alles mit Luxuswohntürmen und den entsprechenden Geschäften zugekleistert, dass kaum noch Läden mit normalen Gebrauchsartikeln zu finden sind. Stattdessen sind die Ladenfronten dieser Quartiere von teuren Modeboutiquen, Möbelgeschäften und mehrbesseren Spas und Geschenkläden in Beschlag genommen. Obwohl, auch Multimillionäre, die sich solche Superwohnungen leisten können, vielleicht mal auf dem Heimweg einen Liter Milch oder ein Bier kaufen möchten........ Doch die Mieten sind für Quaratierläden einfach viel zu hoch. Dem gegenüber gibt es an der Upper East Side, ab der Lexington Avenue immer noch kleine chemische Reinigungen, die auch Änderungen vornehmen und Frisörsalons, die wirken als wären sie seit Generationen dort ansässig. Dasselbe gilt für Bäckerein und sogar für Apotheken - speziell bemerkenswert, zumal auch im übrigen Manhattan (und ausserhalb sowieso) Apotheken praktisch nur noch in den Filialen der landesweiten Drugstore-Ketten zu finden sind. Meine Erklärung dazu geht etwa so, dass während des letzten Baubooms zwar auch an der Upper East Side Luxuswohntürme gebaut wurden, diese Gegend aber schon immer luxuriös war, weshalb sie viel weniger grundsätzliche Veränderungen durchgemacht hat als andere.
Chinesischer Supermarkt in Flushing, Queens
Main Street, Flushing, Queens
Auf ähnlich paradoxe Art scheint mir in letzter Zeit auch der Stadtteil Queens viel „Newyorkischer“ als Brooklyn, das sich als hippe Alternative so sehr durchgesetzt hat, dass in manchen Gegenden des Stadtteils bereits eine ungemütliche Sättigung von trendy Bars, Cafes und Boutiquen besteht. In Queens dagegen, (für Leser aus Zürich: „dem Altstetten von New York“) scheint das alte, überstrapzazierte Klischee des “Melting Pots” viel lebhafter verkörpert zu sein: An den Einkaufstrassen des traditionell griechischen Astoria trifft man auf Moslems in traditioneller Kleidung, die auf dem Trottoir vor den Cafes Wasserpfeife rauchen. Das Chinatown in Flushing, Queens, ist “authentischer”, weil kaum Nichtchinesen ins relativ weit von Manhattan gelegene Quartier fahren. Und das indische Quartier von Jackson Heights ist um etliches grösser als Little India in Manhattan.
37th Avenue, Jackson Heights, Queens

74th St. Jackson Heights, Queens
74th St. Jackson Heights, Queens
Brautkleider und -schmuck für indische Bräute

Jackson Heights Subway Station der Linie 7

Ich vermute, dass sich diese ethnischen Gruppen in Queens viel ungestörter ausbreiten, weil die in Manhattan tonangebende weisse Oberschicht dort gänzlich fehlt. Gleichzeitig hat Queens nie die totale Verwahrlosung ganzer Strassenzüge durchgemacht wie andere Teile New Yorks. Und letztlich ist Queens für Bohème-Romantiker kaum attraktiv genug, weil die Bausubstanz mehrheitlich recht scheusslich ist: meist kleine Reihenhäuschen mit Vinyl- oder Aluminiumverschalung. (Nur in Long Island City wurden frühere Industriebauten von Künstlern bevölkert, doch weil die Gegend bereits während des vorletzten Baubooms zum Büroquartier umgezont wurde, ist es für Künstler schon lange zu teuer.)
Wenn ich so am Broadway in Astoria oder an der Steinway Avenue der lebhaften Strassenszene zuschaue, scheint die Idee des New Yorker „Melting Pot“ viel „authentischer“ verkörpert zu sein als so manches Quartier in Brooklyn. Es dünkt mich auch grosstädtischer und eigenständiger, weil es vom Kommen und Gehen von ungefähr 2.5 Millionen mittleständischer Immigranten aus allen Himmelsrichtungen der Welt belebt wird, die ihren eigenen Wertvorstellungen und Massstäben folgen und sich herzlich wenig darum kümmern, was gewisse Kunststudenten, Modefachleute und Werber gerade für angesagt halten.....
2009-04-13
Von Thérèse Balduzzi @ 13:50 Jede Ostern spazieren New Yorker mit kunstvollen Hutkonstruktionen die Fifth Avenue in Midtown auf und ab. Dabei handelt es sich nicht um eine organisierte Parade mit Marschmusik und thematischen Wagen, sondern einfach um Individuen, Paare und Familien, die den Frühlingsanfang gerne so feiern. Immerhin wird die Fifth Avenue dafür aber von der 49. bis zur 57. Strasse (beim Plaza, wo der Central Park beginnt) gesperrt.
Ein Kostüm ganz aus diesen gummigen Häschen aus Marshmallow gefertigt. Sogar Hut und Schuhe.
Upper East Side Familie
Hasenhut
Viele schwelgen in Nostalgie für das 19. Jahrhundert und die Zwanziger Jahre
Lindt Schokoladenhaase vor dem Palace Hotel
2009-02-28
Von Thérèse Balduzzi @ 16:41 
Isla Fisher in "Confessions of a shopaholic"
Der Film "Confessions of a Shopaholic", der in der Schweiz am 12. März anläuft, kam in New York bereits am 13. Februar - pünktlich auf den Anfang der Fashion Week - in die Kinos. Im Film hat Isla Fisher, die Baron Cohens (=Borat) Lebensgefährtiin ist, die Hauptrolle. Sowohl der New York Observer wie die New York Times schrieben längere Filmbesprechungen darüber, in der New York Times erschien zudem noch ein Artikel über das Timing des Themas. Man erfuhr darin, dass der Film während acht Jahren geplant wurde und es wurden sowohl Argumente für wie gegen das Timing gemacht. Das Argument dagegen besagt, dass in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise niemand mehr Shopaholic ist oder sein kan und dass der Film deshalb zu spät herauskam. Das Argument dafür besagt, dass der Umstand, dass die gesamte westliche Welt shopaholic ist, der Grund für die jetzige Misere ist (uns somit weiterhin aktuell ist).
Was nirgendwo besprochen wird, ist wie schlecht der Film ist: Er ist bezüglich des Shopaholic-Themas viel zu seriös - das Problem wird wie als ernst zu nehmende Sucht behandelt, (- was sie vielleicht auch ist, was sich aber als Ansatz für eine Komödie schlecht eignet - ) von der sich die Protagonistin langsam erholt. Dagegen ist derselbe Film in allem anderen - den beruflichen, privaten und familiären Umständen viel zu unglaubwürdig. Ohne Twists und Überraschungen wälzt sich der Film während zwei Stunden mühsam über die Leinwand, obwohl jedes halbwegs intelligente Wesen sich schon spätestens nach 20 Minuten schrecklich langweilt. Die Frage ist deshalb weniger, ob das Timing passt, sondern warum viele Chick-Flicks so wahnsinnig schlecht sind? Auch die "Nanny Diaries" und die Kinoversion von "Sex and the City" waren dürftig und "The Devil wears Prada nur dank Meryl Streep auszuhalten. Haben Frauen keine besser gemachte Unterhaltung verdient? Werden sie für blöd gehalten? Wird erwartet, dass sie ihre Ansprüche an filmische Qualitäten wie Plot, Tempo und Überraschungen senken, wenn die Geschichten triviale Thmen behandeln? Dies fragt Yours Truely, die für triviales Entertainment durchaus empfänglich ist. So habe ich den hier am TV durch die endlose Recycling-Schlaufe wandernden "Legally Blond" mit Reese Witherspoon mindestens zweimal gesehen und habe mich gerne davon unterhalten lassen.
2008-06-09
Von Thérèse Balduzzi @ 19:55 Die Bedeutung des Woodstock-Festivals 1969 versucht die Ausstellung "The story of the Sixties and Woodstock" im Museum des Bethel Woods Center for the Arts bei Woodstock aufzuzeigen. Um neuen Generationen zu zeigen, dass es um mehr als um LSD, Marihuana, Sex und Schlamm ging, rollt die Ausstellung die Vorgeschichte dazu auf. Das Museum wartet zudem mit noch nie gesehenen Doku-Streifen des legendären Festivals auf und animiert Zeitzeugen dazu, Erinnerungsstücke aus der Zeit beizusteuern. Apropos Souvenirs: offenbar lässt sich im Museumsshop sogar ein Modell eines VW-Hippie-Bus erstehen......jööö! 2008-06-06
Von Thérèse Balduzzi @ 20:18 Die Premiere der Filmversion der beliebten TV-Serie Sex and the City (SATC) hat in Amerika bekanntlich sämtliche Rekorde geschlagen. Dies, obwohl er ziemlich dürftig ist. Ausser dort, wo Carrie im Hochzeitskleid von Mr. Big sitzengelassen wird, ist kaum Drama oder Spannung auszumachen, sondern wandert der Film etwas zähflüssig ausgetretenen Spuren entlang. Die TV-Serie war vor allem auch anziehend, weil sie jeweils pro Episode ein (Beziehungs-)Thema behandelte, das durch Carries regelmässige Fragestellungen und Antwortsuche in ihren Kolumnen explizit formuliert wurde. Die Fragen drehten sich oft um tatsächlich existierende Identitätskonflikte junger, unabhängiger Frauen, die die verschiedene Rollen ihres Berufs-, Familien- und Liebesleben unter einen Hut zu bringen versuchen. Den Film auf einer solchen Frage aufzubauen, wäre wohl etwas zu mager (und einseitig) gewesen. Leider fiel aber dieses wichtige Element dem Filmprojekt fast gänzlich zum Opfer. Ein weit bedauerlicheres Opfer ist der Humor: Die TV-Version von SATC war nämlich eine Komödie. Davon ist anhand der ausgesprochen lahmen Dialoge, denen zuzuhören dumpfe Schmerzen verursachen, leider nichts anzumerken.
Und schliesslich, ein weiteres Element, das in der Filmversion verloren ging, ist die Stadt New York selber. SATC machte von Anfang an nicht nur wegen dem Sex, oder dem offenen Diskurs über Sex Furore, sondern auch, weil es die erste TV-Serie war, in der alle vorkommenden Cafés, Restaurants, Warenhäuser und Boutiquen oder Klubs echt waren. Zwar ist dies für die internationale Zuschauerschaft weniger wichtig, doch für NY-Kenner ist es elementar. Denn Sex and the City war von Anfang an zu einem grossen Teil eine Liebeserklärung an New York City. Erfolg oder Misserfolg im privaten Liebesleben dahingestellt, von Folge zu Folge wurde die grosse Liebe zur Stadt New York, die die vier Freundinnen vereinte, zelebriert, indem typische Details des New Yorker Stadtlebens darin vorkamen. Das ist etwas, dem in der Rezeption ausserhalb New Yorks nie im gebührenden Ausmass Rechnung getragen wurde: Die fünfte Hauptdarstellerin von "Sex and the City" ist New York City.
2008-05-25
Von Thérèse Balduzzi @ 17:19 Das vom Franzosen Florent Morellet 1985 im Meatpacking District eröffnete Restaurant Florent wird am 29. Juni endgültig schliessen. Schuld daran sind die rasant gestiegenen Mieten in Manhattan: Im Fall des Florent ist die Miete von 1350 Dollar in 1985 auf über 30 000 Dollar gestiegen. Das Florent gilt/galt als Pièce de Résistance des von Tag zu Tag schicker und vor allem teurer werdenden Meat Packing Districts.
Florent war das erste "hippe" Restaurant, dass sich im Meat Packing District niederliess: Genauer gesagt gab es im Viertel der Fleischverteiler am westlichen Ende der 14. Strasse in Manhattan schon immer ein paar Restaurants, die rund um die Uhr offen waren. Das Meatpacking District erlebte in den 80er und frühen 90er Jahren eine eigenartige Symbiose von Fleischverteilern, die über Nacht das antransportierte Vieh in die für Restaurants bestimmten Stücke schnitten und zahlreicher Nachtklubs, die abwechslungsweise Hip-Hop, Acid-Jazz, Schwulen- oder Lesbenabende veranstalteten. Darüber hinaus war das Meatpacking District auch für den Transvestiten-Strich bekannt. Die drei nachtaktiven Szenen lebten lange bestens nebeneinander und das 24 Stunden pro Tag geöffnete Florent wurde bald ein beliebter Treff vor oder nach dem Club.
Dann wurden immer mehr Lagerräume zu Lofts umgebaut, danach kamen die Luxus-Neubauten mit noch schickeren Wohnungen und schliesslich die Luxushotels und -restaurants "and the rest is History" wie man hier sagt. Ohne in Nostalgie versinken zu wollen, muss man sich schon fragen, wo (ob?) das ein Ende nimmt, wenn selbst ein beliebtes, stets gut besuchtes Restaurant nicht mehr überleben kann? Es sind bereits fast alle Live-Musikclubs Manhattans zugegangen (oder nach Brooklyn gezogen), die nicht superkommerziell waren. Aber auch Schuhmacher, Eisenwarenhandlungen, Haushaltgeschäfte machen der Reihe nach zu. Doch selbst Superreiche, die sich das alles leisten können, brauchen doch manchmal eine Schraube, neue Absätze oder Staublappen.... oder möchten einen echten Hamburger verzehren, nicht nur die Schicki-Mickiversion mit Paté und Filet Mignon.....? |